"Sie müssen das nicht verstehen" (Das Sie nun in Armut sind)

Fragen und Antworten zu Hilfen zum Lebensunterhalt in Sonderfällen nach § 34 SGB XII

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Waldläuferin
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"Sie müssen das nicht verstehen" (Das Sie nun in Armut sind)

Ungelesener Beitragvon Waldläuferin » 28.08.2014, 13:52

Hallo.

Ich beziehe seit diesem Monat Erwerbsminderungsrente und bekomme Grundsicherung dazu.
Ich bin Autistin und in einer schweren Belastungssituation, aber meine Erwerbsfähigkeit soll in 2 Jahren neu geprüft werden und ich hoffe, wieder in Erwerbstätigkeit zu kommen.

Nun zahlt die Rentenversicherung aber erst ab Ende des Monats, erst gestern habe ich den Brief des Jobcenters erhalten, die mir vorher Ergänzung zahlten - die Aufhebung ist ab 1.9. gültig. Das heißt im Klartext, ich habe kein ausreichendes Einkommen für den nächsten Monat und das Alles hat man mir erst heute (den 28. des Vormonats!) mitgeteilt.

Die Sachbearbeiterin des Grundsicherungsamtes hat mir nichts richtig erklärt, schnauzte mich auf Nachfrage nur an, dass es da auch nichts zu verstehen gebe, nach Artikel 3 sei das eben so, dass das Grundsicherungsamt keinen Ausgleich für diese Lücke vorgesehen hat und die Rente erst ab dem Zahlungsdatum berücksichtigt.
Sie gab mir ein Blankopapier in die Hand und schickte mich vor die Tür, ich solle für die Höhe der Rente einen Darlehensantrag schreiben und ihr den dann reinreichen.
Nun habe ich mit dem Darlehen quasi das Recht auf den vollen Sozialleistungssatz für die nächsten 5 Monate abgetreten. :?: Ich dachte, in Deutschland hätte man das Recht auf diesen Grundleistungssatz (naiv? :roll: ), so lange kein Eigenverschulden vorliegt (also zu späte Antragsstellung o.ä.).
Die Bearbeiterin sagte nur, es ginge auch nicht um Verschulden, sondern um's Gesetz und wir bräuchten darüber jetzt nicht weiter diskutieren.
Ich sagte ihr, dass ich nicht diskutieren will, sondern verstehen, daraufhin der Spruch mit "Sie müssen das nicht verstehen."

Nun sitze ich da. Rente und GruSi ist ohnehin schon zu wenig, da ich kostenaufwendige Ernährung habe, aber keinen Anspruch auf MBD, weil keine ausreichenden Belege existieren für evtl. Organschädigungen und meine Allergie-Nachweise nicht ausreichen. Ich kann aber schon mehrere Jahre fast gar nichts mehr essen und muss Teueres kaufen, da es nur noch wenige Lebensmittel gibt, die ich vertrage. Außerdem sind seltene autoimmune Stoffwechselerkrankungen wie meine (MGIS- heißt alle Drüsen verabschieden sich nacheinander) hinsichtlich Autismus noch zu wenig erforscht. Das Amt erkennt dies also nicht an, weil Ärzte mir nichts Klares atestieren.

Kurzum: Ich bin nun unter dem Regelsatz und gehe Flaschen jagen, um den Monat über genug Versorgung zu haben. :violence-bowandarrow:

In erster Linie habe ich mich hier zum sozialen Austausch angemeldet, denn ich komme mir gerade vor wie ein ausgesetztes Kind,
auch wenn ich schon so viele harte Zeiten durchlebt habe und auch Monate, in denen ich durch Bearbeitungsfehler beim Amt gar kein Geld :achtung: hatte.
Auch bin ich nicht Diejenige, die bei jedem Bißchen losheult,
aber das ging mir heute an die Nieren. (Und mit denen war ich vor 2 Tagen erst in der NA)

Hier geht es ja gerade mal um ein paar hundert Euro und nicht um tausend und ich weiß auch, hier gibt es so Einige, die mit Schwererem zu kämpfen haben und trotzdem komme ich mir verzweifelt vor. Es kommt mir vor, als ob dieses Darlehen gegen meine Rechte verstößt. Vielleicht liege ich da auch total falsch.
Das ist das erste Mal, dass ich in einem Forum so meine Situation offenlege.
Also wenn Jemandem von Euch dazu etwas einfällt, freue ich mich über Rückmeldung.
:greetings-wavegreen:
Zuletzt geändert von Waldläuferin am 28.08.2014, 13:57, insgesamt 2-mal geändert.

Ralf1960
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Re: "Sie müssen das nicht verstehen" (Das Sie nun in Armut s

Ungelesener Beitragvon Ralf1960 » 28.08.2014, 18:54

Hallo Waldläuferin,

das Amt hat Recht - so weh es auch tut.

verrechnet wird der Zeitraum ab dem Rente geleistet wird auch rückwirkend ab dem Anspruch.

Für den Monat in dem du zwischen Wegfall der Sozialleistung und Zahltag der Rente nichts bekommst kannst du ein Darlehen beantragen.
Es entsteht fast immer eine Lücke.

Die Rückzahlung des Darlehens muss aber moderat ausfallen, wenn du also Rente plus ergänzende Grundsicherung bekommst meines Wissens nur 5% vom Regelsatz.

Leider muss ich die in Sachen Sachbearbeitung und Menschlichkeit Recht geben - im holden Jahre 2014 ist irgendetwas geschehen das meine guten Erfahrungen im SGB XII
vollständig zunichte gemacht hat. Ich denke auf Gerichte kommt eine Klagewelle zu die nicht von schlechten Eltern sein wird.

Im SGB II Bereich sieht es noch übler aus, bei uns bekommen Menschen einfach keine Leistungen ausbezahlt weil monatelang keine Anträge bearbeitet wurden und der
zuständige Sachbearbeiter einfach in Urlaub ist ohne dringende Anträge an Vertretung zu geben. Hier steht ein Mann jetzt vor der fristlosen Kündigung seiner
erst neu bezogenen Wohnung die vor 3 Monaten als angemessen bewilligt wurde... die Kaution wurde nicht bezahlt und auch keine Miete, er selbst keinen Cent Leistung
erhalten. Er wurde aus dem Wohnheim der Caritas abgemeldet und der neue Antrag einfach nicht bearbeitet. Nur für einen Einstellungsbescheid
aufgrund Auszuges aus dem Wohnheim scheint man Zeit gehabt zu haben. Nichteinmal die Caritas mit dem betreuten wohnen hat genügend Einfluss
das endlich etwas getan wird.

Und er ist kein Einzelfall - wenn es so weitergeht bekommen hier Leistungsempfänger keine Wohnung mehr im Hochtaunuskreis. Es ist denen völlig egal - was manche
Sachbearbeiter auch deutlich äussern.

Du siehst.... es wird nicht besser !

Gruß
Ralf
Ich schreibe über meine eigenen Erfahrungen mit Ämtern , ansonsten bin ich Laie und meine Beiträge und Kommentare stellen keine Rechtsberatung dar.

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Re: "Sie müssen das nicht verstehen" (Das Sie nun in Armut s

Ungelesener Beitragvon wevell » 28.08.2014, 19:56

Hallo,

zur Darlehensrückzahlung:
Das SozA kann bis zu 5 % als monatliche Rate festsetzen, also auch weniger. Die Darlehenstilgung kann auf Antrag auch erlassen werden.
Es grüsst

wevell


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