Grundsicherung und Mehrbedarf

Fragen und Antworten zu Hilfen zum Lebensunterhalt in Sonderfällen nach § 34 SGB XII

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Renate1903
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Grundsicherung und Mehrbedarf

Ungelesener Beitragvon Renate1903 » 16.07.2015, 19:44

Guten Abend, vielleicht habt Ihr den einen oder anderen Tipp für mich. Ich bin seit Jahren an Morbus Crohn erkrankt und habe nach 3 Darm-OPs einen künstl. Darmausgang, schwere Arthrose und Osteoporose (7 Knochenbrüche in 11 Jahren), 2 Bandscheiben-OPs und nach einer Hirnblutung Krampf-und/oder epileptische (da sind sich die Ärzte nicht ganz einig) Anfälle. Lt. Schwerbehindertenausweis habe ich einen GdB von 90 % mit den Merkzeichen GB. Bis vor Anfang des Jahres habe ich mit meinem Exfreund in einem Haus gewohnt, bis er mich dann auf sehr unschöne Art und Weise "entsorgte". Ich bin jetzt in die Nähe meiner Kinder nach Nordhessen gezogen und habe beim Sozialamt einen Antrag auf Grundsicherung stellen müssen.
An meinem alten Wohnort in Niedersachsen habe ich schon Grundsicherung und Mehrbedarf für kostenaufwändige Ernährung bekommen, es gab keinerlei Probleme. Aus meiner alten Wohnung konnte ich nur mein Bett und meine Waschmaschine sowie ein paar Kleidungsstücke mitnehmen. Mein Exfreund behauptete, es gehöre alles ihm. Aufgrund der vielen Operationen und der Lage des künstl. Darmausgangs passen mir die meisten Hosen nicht mehr, ich habe stark schwankendes Gewicht, meine Unter-und Nachtwäsche ist durch die Wascherei verschlissen, Bettwäsche habe ich gar keine. Ich habe also leider auch noch einen Antrag für eine Wohnungserstausstattung stellen müssen und sitze immer noch auf gepackten Kartons. Dann habe ich mir zu allem Überfluß auch noch 2 Tage vor meinem Umzug bei einem Leitersturz das rechte Bein gebrochen (2-fach). Als ich aus dem Krankenhaus kam, habe auch nur dank meiner privaten Unfall-Versicherung Hilfe bekommen, ich erhalte derzeit Essen auf Rädern 1 x am Tag, und 2 x in der Woche Hilfe bei der Körperpflege und im Haushalt. Diese Hilfe wird aber zum Ende ds. Monats auslaufen.
Ich kann zwar schon einige Schritte machen, aber nicht stehen, kann mich nicht allein duschen oder mir die Haare waschen und nicht kochen. Auf die Leiter gehe ich keinen Schritt mehr, ich brauchte also auch Hilfe im Haushalt bei allen anfallenden Tätigkeiten. Meine Tochter wohnt und studiert in Gießen, mein Sohn muß arbeiten, von ihnen beiden kann ich auch nicht erwarten, daß sie sich ständig um mich kümmern. Daher habe ich einen Antrag bei der Pflegeversicherung gestellt, aber bis der MdK ins Haus kommt, wird es sicher noch 6-8 Wochen dauern. Daher habe ich wiederum einen Antrag beim Sozialamt gestellt, auch mit dem Hinweis, daß ich einen Antrag bei der Pflegeversicherung gestellt hätte, der aber natürlich noch nicht entschieden sei. Der Antrag lautet also auf die Gewährung für die Kosten für eine Haushaltshilfe, für Bekleidung und für einen Hausnotruf beim DRK, damit man mich, sollte ich allein nicht mehr in der Lage sein, aus der Wohnung holen und ins Krankenhaus bringen kann.

Ich weiß, daß das unverschämt klingt, ich hätte mir auch nicht vorgestellt, jemals in dieser Situation zu sein, vor allen Dingen nicht mehr in meinem Alter nach einem gelebten Leben, aber ich kann mir nicht anders helfen. Die Grundsicherung wurde mir gewährt, die kostenaufwändige Ernährung jedoch mit dem Hinweis verweigert, ich stünde kurz vor dem Übergewicht, da sei das nicht notwendig. Auch ein Attest meines Arztes wurde nicht berücksichtigt. Heute bekam ich nun den Bescheid, daß man die Haushaltshilfe und den Hausnotruf vom Gutachten des MDK abhängig machen will und die Gewährung der Bekleidung von ärztlichen Unterlagen, die den Mehrbedarf belegen. Für meine Wohnungserstausstattung gewährte man mir € 575,--, wie ich damit auskommen soll, wenn ich vom Teelöffel bis zum Kühlschrank alles anschaffen muß, weiß ich auch nicht. Hat jemand irgendeine Idee oder einen Tipp? Ich bin wirklich für alles dankbar. Schon jetzt danke im voraus. :poc:

Angela1968
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Re: Grundsicherung und Mehrbedarf

Ungelesener Beitragvon Angela1968 » 16.07.2015, 21:19

Hallo Renate,

aus Deinem Text geht nicht hervor ob Du ALG II, die Grunsicherung für Erwerbsfähige, oder schon die Grundsicherung für Rentner und Erwerbsunfähige bekomst. In Deinem Falle gehe ich aber von EM/EU-Rente aus, ansonstn beantrage diese schleunigst.. Hast Du es schon mit einer Pflegestufe versucht und hast Du in diesem Zusammenhang die Hilfe für Hauswirtschaft etc. beantragt?

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Renate1903
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Re: Grundsicherung und Mehrbedarf

Ungelesener Beitragvon Renate1903 » 17.07.2015, 17:18

Hallo Angela, vielen dank für Deine Antwort. Ich bin wegen des Crohn seit 2008 erwerbsunfähig. Lt. Rentenbescheid von der BfA bekomme ich am Juni/Juli nächsten Jahres meine Altersrente. Ich bin 64, bekomme also Leistungen nach SGB XII. Habe ich nicht dazu geschrieben, daß ich jetzt eine Pflegestufe 1 beantragt habe? Sorry. Hätte ich da eine Haushaltshilfe direkt mit beantragen müssen? Wird das nicht alles vom MdK aufgenommen? Bis der MdK rauskommt, dauert es ja aber doch mindestens 6-8 Wochen (meiner Erfahrung nach). Wenn die Hilfe meiner Unfallversicherung beendet wird. hätte ich niemanden, der mir in der Zwischenzeit hilft, und ob die Pflegestufe überhaupt bewilligt wird, steht ja noch in den Sternen. Ich habe das vor Jahren schon mal gemacht, da hieß es, ich sei viel zu gut drauf. Ich würde nicht bitten und betteln, wenn es nicht notwendig wäre und komme mir vor wie ein Schmarotzer, aber ich kann einfach nicht allein. Heute morgen mußte ich z. B. wegen meines Beins ins Krankenhaus zum Röntgen. Die DAK weigert sich, die Transportkosten zu übernehmen, ich müßte Freunde oder Verwandte fragen. Kann ich aber nicht und laufen kann und darf ich auch nicht so lange. Die Taxikosten kann ich mir nicht leisten, also was tun in einem solchen Fall? Ich kann doch nicht erst einen Antrag beim Amt stellen, der dann nach 3-4 Wochen entschieden wird. Jetzt muß ich wissen,ob ich mein Bein wieder belasten kann und ob mit den Platten, die im Bein sind, alles in Ordnung ist, denn davon hängt es ab, ob ich laufen darf oder nicht.
Ich habe nichts gegen Bürokratie, die muß sein, aber ich stehe fassungslos davor. Schon mal Danke für Deine Nachricht. Liebe Grüße Renate

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Re: Grundsicherung und Mehrbedarf

Ungelesener Beitragvon Renate1903 » 17.07.2015, 20:59

Hallo an alle Nutzer, beim Durchlesen einzelner Beträge habe ich festgestellt, daß man zu wenig gezahlten Mehrbedarf nachfordern kann. Ist das richtig oder verstehe ich etwas falsch? Ich habe in Niedersachsen wegen meines chronischen Morbus Crohn knapp € 40,-- als Mehrbedarf bekommen, hier in Essen hat man den zunächst genehmigt und mir knapp € 62,-- ausgezahlt, dann allerdings gestrichen. Da ich alleinstehend war und bin, meine Frage: Kann ich in Niedersachsen den zuwenig gezahlten Betrag nachfordern oder hat das keinen Zweck mehr? Falls ja, für welche Zeit kann man nachfordern? Danke für Eure Hilfe.

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Re: Grundsicherung und Mehrbedarf

Ungelesener Beitragvon Angela1968 » 17.07.2015, 21:06

Hallo,

also wenn unsere Firma das mit der Beantragung der Pflegestufe in die Hand genomme hat, dauerte es unter Umständen nicht so lange. Ja, das war schon mal gut das es da mit beantragt wurde. Am besten wäre ja da wenn man dann schon eine Pflegeperson oder Firma seines Vertrauens benennen könnte.

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Re: Grundsicherung und Mehrbedarf

Ungelesener Beitragvon wevell » 17.07.2015, 22:29

Hallo,

wegen des zuwenig gezahltem Mehrbedarf kannst du einen Überprüfungsantrag nach § 44 SGB X stellen. Dieser wirkt jetzt bis zum 01.01.14 zurück.
Zuletzt geändert von wevell am 17.07.2015, 22:29, insgesamt 1-mal geändert.
Es grüsst

wevell

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Re: Grundsicherung und Mehrbedarf

Ungelesener Beitragvon Renate1903 » 18.07.2015, 01:46

Hallo Angela und wevell, es gibt Firmen, die Pflegestufen beantragen? Wirklich? Was kostet das? Ich habe jemanden, den ich als Pflegeperson benennen kann und habe sie auch schon auf dem Antrag, den ich von der Krankenkasse hatte, angegeben. Man hat mir ein Formular geschickt, wonach ich die Pflegezeiten eintragen muß. Aber das dauert alles so lange und wenn ich Ende des Monats keine Leistungen mehr von deer Unfallversicherung bekomme sehe ich ganz alt aus. Kann ich jetzt noch eure Firma einschalten? Den Überprüfungsantrag nach § 44 werde ich stellen, wevell, danke für den Tipp. Ich glaube, die Differenz beruht darauf, daß man mich nicht als Haushaltsvorstand berechnet hat, aber das weiß ich nicht genau. Ich werde auf alle Fälle malnachfragen. Danke Wuch beiden!

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Re: Grundsicherung und Mehrbedarf

Ungelesener Beitragvon Angela1968 » 18.07.2015, 09:48

Hallo,

meistens sind die Angehörigen oder de zu Pflegenden selbst auf uns zugekomen und haben uns um Hilfe gebeten im Haushalt etc. Dann kam vn uns die Frage we es denn mit einer Pflegestufe ausieht nnd wenn wir einschäzn konnten das eine gebraucht wird bzw. eine Höhrstufung gerechtfertigt ist, haben wir dann das zusammn gemacht.

Wenn wir natürlich das Gefühl hattn das wir nur ausgenutzt werden um die Pflegestufe zu beantragn und die spätere Hilfe wird von jemand anders erbracht, haben wir das nicht gemacht bzw. in Rechnung gestell. Waren wir dann auch die Leistgnserbringer haben wir natürlich die Beantragung der Pflegestufe unentgeltlich gemacht.

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Re: Grundsicherung und Mehrbedarf

Ungelesener Beitragvon Renate1903 » 18.07.2015, 21:18

Hallo, Angela. Ich habe hier vor Ort augenblicklich die Diakonie, die mich wegen meines Unfalls versorgt. Die Dame meinte nur, ich bräuchte in jedem Fall allein wegen des Unfalls noch Hilfe, von dem anderen Erkrankungen ganz zu schweigen. Bei welcher Institution arbeitest Du denn? Wenn die ganze Sache schneller abgewickelt würde, wäre es mir natürlich bedeutend lieber. Bitte sei doch so nett und hilf einer unwissenden Frau wie mir auf die Sprünge. Ich bin gerade dabei, einen Antrag gem.§ 44 SGBXII zu schreiben. Das alte Sozialamt hat mir nämlich weder den Behindertenzuschlag noch den ganzen Mehrbedarf für aufwändige Verpflegung berechnet. Den kann ich ja lt- Eurer Angaben nachfordern. Mal sehen, was die sagen. Aber bitte gib mir Antwort wegen der Beschleuigung des MdK und was ich machen muß. Ich weiß nicht, auf wen ich da zugehen muß. Danke Dir.

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Re: Grundsicherung und Mehrbedarf

Ungelesener Beitragvon Angela1968 » 18.07.2015, 21:24

Hallo,

ich arbeite in einem Pflegeunternehmen als Betreuungsfachkraft. War aber früher mal im Büro tätig.. Meines Wissens ist die Diakonie auch eine Pflegeeinrichtugn und kann das auch anbieten. Du kannst ja mit der Dame der Diakonie mal sprechen ob die das anbieten und wenn die darauf nicht anspringt Dich selbst an die Leitung wenden.

Angela
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