Vor der Grundsicherung Ersparnisse aufbrauchen

Fragen und Antworten zu Hilfen zum Lebensunterhalt in Sonderfällen nach § 34 SGB XII

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Detektorist
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Vor der Grundsicherung Ersparnisse aufbrauchen

Ungelesener Beitragvon Detektorist » 06.04.2016, 13:11

Ich bin behindert und beziehe noch keine Grundsicherung, möchte aber in Zukunft einen Antrag stellen. Ich habe etwas Erspartes. Das muss wahrscheinlich für den Rest meines Lebens reichen.

Wenn ich das richtig verstanden habe, dann darf ich 2600€ in Erpartem behalten. Alles andere muss aufgebraucht werden, darf aber nicht verschleudert werden. Also selbst verschuldete Armut sein. Was genau bedeutet das? Ich lebe bei meinen Eltern und verbrauche deswegen von dem Ersparten nur wenig. Was für Ausgaben gelten dann als gerechtfertigt? Ist ein neuer Computer Verschwendung? Ich würde vielleicht gerne eine letzte Reise nach Rom machen, bevor ich nie wieder die Gelegenheit habe. Gilt sowas auch als unrecht?

Angenommen das Ersparte wurde vorsätzlich verschleudert. Gibt es dann eine Strafzeit, wo man für Sozialleistungen nicht in Frage kommt? Wenn ja, wie lange dauert sowas?

Überhaupt wie lange zurück muss ich meine Finanzen nachweisen?

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Re: Vor der Grundsicherung Ersparnisse aufbrauchen

Ungelesener Beitragvon Heinrich » 06.04.2016, 14:42

Hallo Detektorist,

wenn man seine Ersparnisse 'verschleudert', bekommt man meines Wissens nach Leistungen (vorerst) nur auf Darlehensbasis. Von einer "Strafzeit" ist mir nichts bekannt.

Dieses Thema gab es erst kürzlich hier im Forum, und soweit ich mich erinnere, muß man sein Erspartes nicht zwingend 'armengerecht' aufbrauchen, sondern darf 'normal' leben.

Den neuen PC sehe ich nicht als Problem, es sei denn Du schaffst Dir irgend einen super-teuren an, den Du quasi nicht brauchst.

Auch die Reise nach Rom würde ich machen, besonders unter den von Dir angedeuteten Bedingungen. Nur nicht unbedingt im 5-Sterne-Hotel verweilen ;)

Wenn es dann hinterher bei der Antragstellung Probleme geben sollte, empfehle ich einen guten Anwalt :D

H.
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Re: Vor der Grundsicherung Ersparnisse aufbrauchen

Ungelesener Beitragvon Detektorist » 06.04.2016, 21:19

Und wo wird da die Grenze gezogen? Wenn ich nun ein Jahr Backpacke ist das ja sehr günstig, verbraucht über ein Jahr aber mehr als ein Fünfsterne Urlaub.

Soweit ich rausbekommen habe, müssen die Kontoauszüge der letzten 6 Monate vorgelegt werden. Aber was ist mit der Zeit davor? Wird da irgendeine Hintergrundüberprüfung gemacht? Was ist denn, wenn jemand sein ganzes Vermögen verschenkt, 6 Monate wartet und dann Grundsicherung beantragt? Das geht doch auch nicht?

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Re: Vor der Grundsicherung Ersparnisse aufbrauchen

Ungelesener Beitragvon Heinrich » 07.04.2016, 00:01

Hallo Detektorist,

Detektorist hat geschrieben:Was ist denn, wenn jemand sein ganzes Vermögen verschenkt, 6 Monate wartet und dann Grundsicherung beantragt?

Warum sollte jemand so handeln?

H.
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Re: Vor der Grundsicherung Ersparnisse aufbrauchen

Ungelesener Beitragvon Detektorist » 07.04.2016, 15:11

Mir wurde ausdrücklich mitgeteilt, dass ich das Ersparte nicht verschenken sollte, wenn ich Grundsicherung haben möchte, sondern "normal" aufbrauchen möge. Ich habe aber keine wirklichen Ausgaben, weil ich noch bei meinen Eltern lebe. Miete, Nebenkosten, Essen bezahle ich nicht selbst. Wenn ich ihnen Geld geben will, nehmen sie es nicht. Aber was ich habe ist ohnehin nur, was sie mir mal gegeben haben. Geld von Geburtstagen und Weihnachten. Meine einzigen Ausgaben sind "Luxus" also neue Bücher, Filme oder eine neue Pflanze. Also bin ich nicht sicher, was ich unter "normal aufbrauchen" verstehen soll. Ich weiß nicht, wie ich das Ersparte sonst aufbrauchen soll. Es gibt ein paar Orte, die ich gerne sehen würde. Und eine Reise wäre in Ordnung? Aber zwei Reisen? Was ist zu viel? Wird das von Fall zu Fall entschieden. Gibt es eine Geldgrenze oder wird das Prozentual gerechnet? Am liebsten würde ich ja mit dem Ersparten schon eine eigene Wohnung suchen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mir jemand eine vermietet, wenn ich kein Einkommen habe.

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Re: Vor der Grundsicherung Ersparnisse aufbrauchen

Ungelesener Beitragvon Heinrich » 07.04.2016, 16:01

Hallo Detektorist,

Detektorist hat geschrieben:Am liebsten würde ich ja mit dem Ersparten schon eine eigene Wohnung suchen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mir jemand eine vermietet, wenn ich kein Einkommen habe.

Einkommen mußt Du nicht zwingend haben, Du mußt nur Miete, Kaution, etc. zahlen können, und dieses quasi nachweisbar. Es wird sicherlich auch Vermieter geben, die solvente/vermögende Mieter nehmen. Evtl. abhängig von der Höhe des Vermögens ;)

Wenn Du Grundsicherungsleistungen beziehst, kannst Du ausziehen - dann zahlt das Amt, sofern der Auszug aus "sozialrechtlicher" Sicht erforderlich ist. Wenn ein erwachsener Mensch von seinen Eltern weg will, sollte das aus meiner Sicht als Grund reichen, sofern die Behinderung dem nicht entgegensteht.

Zum anderen Thema: so klar geregelt ist das im Gesetz meines Wissens nach nicht, was unter "normal" aufbrauchen zu verstehen ist. Ob Du nun 1 oder 2 Reisen machen darfst, wird Dir online niemand genau sagen können.

Mein Vorschlag: laß' Dich - bevor Du anfängst, Dein Vermögen auszugeben - von einem Fachanwalt für Sozialrecht bzgl. des Vermögensverbrauchs beraten. Der wird Dir zwar vermutlich auch nicht sagen können ob 1 Reise 'erlaubt' sind oder 2 aber er weiß mit Sicherheit mehr zu dem Thema. Das Geld für die Beratung (m.W.n. bis zu 360 €, ggf. vorher fragen) würde ich investieren.

Viel Erfolg

H.
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Re: Vor der Grundsicherung Ersparnisse aufbrauchen

Ungelesener Beitragvon Streeter » 07.04.2016, 23:06

Hello Detektorist,

eine s.g. Entreicherung stellt keinen Straftatbestand dar.
Woher will das Amt eigentlich wissen, welches Vermögen ich verschleudert habe?
Und was ist Vermögen?
Ich verstehe diese Fragen sowieso nicht. Wie kann man nur sein Vermögen - was immer das sein mag - verschleudern wollen, um anschließend von GruSi zu leben?
Das hat imho pathologische Züge.
Von GruSi leben zu müssen ist ärmlich und frustrierend und man/frau stirbt früher.

Alles, was man vor Antragsstellung bekommt ist Vermögen. Und alles, was man währenddessen bekommt ist Einkommen.
Es ist natürlich eine Schande, dass die Vermögensgrenze bei GruSi nach SGB XII bei max. 2.600 € liegt.

Du kannst übrigens mit Deinem Geld (vor Antragsstellung) tun und lassen, was Du möchtest.

BTW.
Wenn Du 1 Million € zu 5% anlegst, musst Du jeden Tag 137 Euro ausgeben, damit Du nicht noch reicher wirst.
Bei einer Milliarde wären es 137.000 € täglich.

Alles Andere sind Peanuts. ;)
there's no business like that social business.

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Re: Vor der Grundsicherung Ersparnisse aufbrauchen

Ungelesener Beitragvon Detektorist » 07.04.2016, 23:47

Ich bin nicht reich oder so. Dann bräuchte ich ja keine Grundsicherung. Es geht hier nur um 2000 Euro, die über 2600 hinausgehen. Selbst da wurde mir gesagt, dass ich nichts verschenken solle und das ich meine Kontoauszüge der letzten 6 Monate vorlegen müsse. Jemand anderes hat erzählt, dass wenn die Armut selbst verschuldet ist, man 10 Jahre lang kein Recht auf Sozialhilfe hat.

Was die Wohnung angeht, da gibt es noch andere Schwierigkeiten. Ich lebe hier ein einem kleinen Dorf. Wenn ich einkaufen will, muss ich in die nächste Kleinstadt. Dort gibt es auch nur Lebensmittel. Wohnen möchte ich eigentlich in einer Großstadt oder wenigstens in der Nähe einer Großstadt. Soweit mir bekannt ist, gibt es in Städten aber Wohnungsmangel. Für jede freie Wohnung gibt es sehr schnell viele Bewerben. Da können sich die Vermietenden die besten Kandidaten aussuchen. Beantragen kann ich dort ja keine Grundsicherung, sondern nur da, wo ich wohne.
So direkt möchte ich hier nicht zum Sozialamt gehen und einen Antrag stellen, weil ich dann hier eine Wohnung finden muss, die ich überhaupt nicht haben will, die dann eingerichtet werden muss, dann nochmal Anträge um in eine Großstadt umziehen zu dürfen, dort nochmal eine Wohnung finden, noch mal umziehen und alles.

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Re: Vor der Grundsicherung Ersparnisse aufbrauchen

Ungelesener Beitragvon Heinrich » 08.04.2016, 07:23

Hallo Detektorist,

Detektorist hat geschrieben:So direkt möchte ich hier nicht zum Sozialamt gehen und einen Antrag stellen, weil ich dann hier eine Wohnung finden muss, die ich überhaupt nicht haben will, die dann eingerichtet werden muss, dann nochmal Anträge um in eine Großstadt umziehen zu dürfen, dort nochmal eine Wohnung finden, noch mal umziehen und alles.

so oft brauchst Du nicht umzuziehen :D Wenn Du bei Deinem Eltern lebend Grundsicherung beziehst, dann beantrage hier beim Sozialamt die Umzugsgenehmigung und suche Dir gleich eine Wohnung in Deiner 'Wunschstadt'.

Zum anderen Thema: wenn es 'nur' um 2.000 € zuviel geht ... stelle doch zeitnah den Antrag auf Grundsicherung und man wird Dir seitens des Sozialamtes mitteilen, wie lange Du mit dem 'Überschuß' auskommen mußt.

Oder mache halt Deine Reise zuerst ...

H.
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Re: Vor der Grundsicherung Ersparnisse aufbrauchen

Ungelesener Beitragvon Detektorist » 11.04.2016, 15:59

Bist Du ganz sicher, dass das geht? Ich hatte einen Anwalt gefragt und wenn ich das richtig verstanden habe, hat er gesagt, dass ich keine Grundsicherung bekommen würde, solange ich bei meinen Eltern lebe und die für alles aufkommen.


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