Verstösst das Stellenangebot nicht gegen das Antidiskriminierungsgesetz ?

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Angela1968
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Verstösst das Stellenangebot nicht gegen das Antidiskriminierungsgesetz ?

Ungelesener Beitragvon Angela1968 » 14.02.2017, 09:29

Hallo liebe Forumsteilnehmer,

neulich fand ich eine Stellenausschreibung einer Gemeinde. Dort wurde für eine Kultur GmbH eine(n) Geschäftsführer(in) gesucht. Auf der einen Seite forderte man unter anderem eine hohe Leistungs- und Einsatzbereitschaft. Auf der anderen Seite wure klargestellt das Bewerbunngen von schwerbehinderten und Frauen bevorzugt behandelt werden.

Erstmal ist für mich eine hohe Leistugnsbereitschaft und schwerbehinderte Frauen ein Widerspruch. Denn oftmals ist man ja schwerbehindert weil man eben zwar leistungsbereit ist aber nicht die volle Leistung abrufen kann. Außerdem frage ich mich ob das überhaupt noch in Stellenausschreibugnen so offen geschrieben werden darf wegen des Antidiskriminierugnsgesetzes.

Angela
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CuttySark
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Re: Verstösst das Stellenangebot nicht gegen das Antidiskriminierungsgesetz ?

Ungelesener Beitragvon CuttySark » 14.02.2017, 13:56

Moin, Moin Angie,

Worüber Du wieder einmal nachdenkst............... Denke das werden die Juristen der Stadtverwaltung bereits geprüft haben bevor
die Anzeige veröffentlicht wurde. Warum sollte hohe Leistungs- und Einsatzbereitschaft ein Widerspruch sein?

LG Rolf
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Angela1968
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Re: Verstösst das Stellenangebot nicht gegen das Antidiskriminierungsgesetz ?

Ungelesener Beitragvon Angela1968 » 15.02.2017, 17:21

Hallo CuttySark,

wie Du weist habe ich wieder mal sehr viel Zet zum Nachdenken und muss mich von meinen Nasenschmerzen ablenken. Du denkst ja auch öfter übe Dinge nach die ich nicht nachvollziehen kann. Mach ich Dir da einen Vorwurf?

Es gibt eben schwerbehinderte Menschen die einen hohen Leistungs- und Einsatzwillen haben. Aber auf Grund Ihrer Behinderung eben die volle Leistung nicht mehr vom Körper abrufen können ob sie es wollten oder nicht.

Es ist aber auch sehr merkwürdig. Eben schaue ich auf die Seite und lese da das die Bewerbungsfrist auf Grund der wenigen Bewerbungen verlängert wurde. Scheinen meine Gedanken ja nicht so verkehrt zu sein.

Angela
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w12
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Re: Verstösst das Stellenangebot nicht gegen das Antidiskriminierungsgesetz ?

Ungelesener Beitragvon w12 » 15.02.2017, 18:43

Hallo

Es ist das:
Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)

Wann ist eine Ungleichbehandlung erlaubt?
Zulässig ist eine unterschiedliche Behandlung, wenn Nachteile wegen
einer Behinderung verhindert oder ausgeglichen werden sollen. Kein
Arbeitgeber ist daher gehindert, zum Beispiel in Stellenausschreibungen
darauf hinzuweisen, dass „bei gleicher Eignung schwerbehinderte Bewerber und Bewerberinnen bevorzugt eingestellt werden“.
Eine unterschiedliche Behandlung ist ebenfalls gerechtfertigt, wenn der Beruf bestimmte Anforderungen stellt. So kann eine Behinderung die Tätigkeit - zum Beispiel als Polizeivollzugsbeamter, Pilot oder Dachdecker - ausschließen. Dies muss aber stets bezogen auf die jeweilige Behinderung ermittelt werden. Vielfach kann der behinderte Mensch die beruflichen Anforderungen mit Hilfe der Unterstützungsleistungen des Integrationsamtes und der Reha-Träger erfüllen. Die Grenze dafür zeigt das AGG auf: Das Benachteiligungsverbot wird nicht verletzt, wenn mit der unterschiedlichen Behandlung Gefahren vermieden oder Schäden verhütet werden. Ein Verstoß gegen das Arbeitsschutzgesetz oder eine Selbst- und Fremdgefährdung dürfen daher keinesfalls in Kauf genommen werden.2

https://www.integrationsaemter.de/Die-S ... index.html

Eigentlich hat Angela1968 ja durchaus Recht.

Die Begriffe sind doch Phrasen.

Aber da steht ja nur „leistungsbereit“ und nicht leistungsbereit wie ein 20 jähriger durchtrainierter, mit vollständigen Gliedmaßen ausgestatteter und nicht drogenverzehrender Mann (Achtung Frau fehlt!)

Z.B. bei einem jungen dynamischen Team würde ich aber bereits die Augen spitzen.

Wichtig ist aber wie das Auswahlverfahren abläuft.

Gruß
w12
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Re: Verstösst das Stellenangebot nicht gegen das Antidiskriminierungsgesetz ?

Ungelesener Beitragvon CuttySark » 16.02.2017, 07:07

Moin, Moin Angie,
Moin, Moin w12,

natürlich sind das Phrasen, was die Bewerbungstexte angeht. Als ich 1976 meine Sekretärin suchte, wusste ich genau, was ich wollte.
Eine Frau mit kaufmännischer Ausbildung, repräsentatives Erscheinungsbild und Auftreten, ehrlich, da wir in erster Linie Bargeld ab-
rechneten und Löhne auszahlten, bereit sehr viele Überstunden zu machen, Samstag und Sonntags zu arbeiten, da wir ein landwirt-
schaftlicher Spezialbetrieb waren und die Monate Mai, Juni, Juli und August Hochsaison waren und ich beispielsweise bis zu 440 Stund-
en im Monat arbeitete. War die Saison vorbei, dann sank das Arbeitspensum auf Normalzeit also rund 170 Stunden März, April, Septem-
ber, Oktober. Dann setzte die Winterzeit ein, wo ich vielleicht einen Tag pro Woche arbeitete und im Dezember, Januar war der Betrieb
dicht. Die angefallen Überstunden wurden gutgeschrieben und teilweise ausbezahlt mit einem Leistungszuschlag.

Dieser Fall ist sicher extrem aber da hätte ich niemand brauchen können, der behindert ist oder nicht flexibel, was die Arbeitszeiten an-
ging. Eine Frau mit Kindern wäre der die falsche Entscheidung gewesen. Heute wäre dies nur sehr kompliziert abzuwickeln. Mir kann aber
niemand erzählen, dass er keine konkreten Vorstellungen von "seinem Personal" hat.

LG Rolf
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Tim.Let44
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Re: Verstösst das Stellenangebot nicht gegen das Antidiskriminierungsgesetz ?

Ungelesener Beitragvon Tim.Let44 » 17.02.2017, 11:24

Moin Angela,

ein Schwerbehinderter kann für seine Verhältnisse auch Höchstleistungen bringen natürlich nicht vergleichbar mit einem gesunden Menschen. Sieht mir auch eher nach einem Satz aus der hingeschrieben weil es musste. Sehr unwahrscheinlich das ein Schwerbehinderte eine Geschäftsführertätigkeit einnimmt.

heikles Thema

Beste Grüße
Tim

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Re: Verstösst das Stellenangebot nicht gegen das Antidiskriminierungsgesetz ?

Ungelesener Beitragvon w12 » 17.02.2017, 14:24

Hallo Tim.Let44

Das ist jetzt aber unfair, wenn du Schäuble hier anführst.
Dass er es nicht bringt, hat absolut nichts mit seiner Behinderung zu tun.

Es gibt saudoofe Gesunde und hochbegabte Behinderte!

Natürlich kann der ohne Beine nicht so schnell laufen, aber da Geschäftsführer immer dicke Autos haben, ist er sogar noch schneller. :mrgreen:

Gruß
w12
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Re: Verstösst das Stellenangebot nicht gegen das Antidiskriminierungsgesetz ?

Ungelesener Beitragvon Tim.Let44 » 20.02.2017, 08:51

okey das stimmt auch wiederrum bestes Beispiel für hochbegabte mit Behinderung ist Stephen Hawkings.

Mich würde wirklich mal aber interessieren ob es sowas gibt bzw. wie sowas dann auch in der Praxis aussieht

Beste Grüße
Tim

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Re: Verstösst das Stellenangebot nicht gegen das Antidiskriminierungsgesetz ?

Ungelesener Beitragvon CuttySark » 20.02.2017, 09:44

Moin, Moin Tim.Let44,

Du siehst es doch selber, dass es das gibt, wie du es ausdrückst. W12 nannte Dir als Beispiel Herrn Schäuble, Du nennst Stephen
Hawkings und ich als Dritter führe einen ehemaligen Nachbarn an, der durch einen Badeunfall querschnittsgelähmt ist. Die Eltern
führen eine größere Bautischlerei und haben 2 Söhne. Nach dem Unfall wurde der Betrieb umgestellt. Der eine Sohn machte die Be-
triebsleitung und den Außendienst, der Kranke die kaufmännische Geschäftsführung einschließlich Buchhaltung und das Angebots-
wesen.

Geben tut es alles, wie beim Lottospiel. aber da gibt es Sonntag für Sonntag auch nur 1 bis 3 Gewinner.

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