Schwerbehindert und kein Vorstellungsgespräch! Folgen ...?

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carriegross
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Schwerbehindert und kein Vorstellungsgespräch! Folgen ...?

Ungelesener Beitragvon carriegross » 01.07.2018, 13:43

Hallo,

eine schwerbehinderte Bewerberin bewirbt sich auf zwei ausgeschriebene Stellen eines Arbeitgebers im öffentlichen Dienst und gibt im jeweiligen Fließtext ihrer Bewerbungen an, dass sie schwerbehindert ist "... fünfzig GdB ...".

Diese Bewerberin ist nicht offensichtlich ungeeignet gewesen und erfüllte die Anforderungen der Stellenanzeigen komplett, sodass diese Bewerberin zu Vorstellungsgesprächen hätte eingeladen werden müssen.

Der AG im ÖD hat das mit den "fünfzig GdB" tatsächlich überlesen und keine Einladungen verschickt. Anstatt dessen bekam die Bewerberin nach Abschluss der Auswahlverfahren schriftliche Absagen.

Nach ein paar Wochen erhält der AG im ÖD ein Einschreiben von dieser Bewerberin bzgl. Geltendmachung von Entschädigungsansprüchen und fordert aufgrund der besonderen Schwere des Falles nach 15 (2) AGG drei Bruttomonatsgehälter.

Der AG im ÖD sieht das allerdings anders und meint, es würde nur ein geringfügiger Verstoß vorliegen, da die Bewerberin im letzten Absatz des Anschreibens die Schwerbehinderung mit "fünfzig GdB" abgekürzt hat und bietet je 0,5 Bruttomonatsgehälter i. R. e. einvernehmlichen und außergerichtlichen Einigung an.

Daraufhin erwidert die Bewerberin wiederholt, dass es sich um eine besondere Schwere handelt und nicht nur um einen geringfügigen Verstoß, zumal es sich um zwei unabhänig voneinander ausgeschriebene Stellen handelte, es zwei individuell geschriebene Bewerbungen mit jeweils den Hinweis auf die Schwerbehinderung und somit dieses Übersehen wiederholt, also zweimal und nicht nur einmal geschehen ist. In den Stellenanzeigen wurde bereits nicht darauf hingewiesen, dass z. B. schwerbehinderte Bewerber bei gleicher Eignung bevorzugt eingestellt werden. Dazu wäre allerdings ein AG im ÖD verpflichtet. Tut er das nicht, kann man bereits zu diesem Zeitpunkt davon ausgehen, dass er Schwerbehinderte nicht einstellen möchte und eine Diskriminierung vorliegt. Auch ist es egal, an welcher Stelle und in welcher Form die Schwerbehinderung im Fließtext erwähnt wird. "Fünfzig" wäre auch keine Abkürzung und "GdB" sollte einem AG im ÖD unter Berücksichtigung der besonderen Pflichten eines AGs im ÖD gegenüber Schwerbehinderten durchaus geläufig sein. Die Bewerberin verlangt weiterhin drei Bruttomonatsgehälter und setzt eine weitere und letzte Frist von zwei Wochen, bevor sie eine entsprechende Klage einreicht.

Der AG im ÖD wollte natürlich ein wenig pokern und handeln. Die Fehler sind nun leider passiert, die der AG im ÖD im ersten Schreiben an die Bewerberin eingeräumt hat und die Bewerberin hat natürlich Recht mit ihren Ausführungen bzgl. der Stelle, an der die "Fünfzig GdB" erwähnt sind, dem Worlaut der "Fünfzig GdB" selbst und dass das nicht nur einmal überlesen wurde, sondern zweimal.

Aber wo steht, dass ein AG im ÖD bereits in Stellenanzeigen schreiben muss, dass Schwerbehinderte bei gleicher Eignung eingestellt werden und wenn er es nicht tut, man bereits bei Veröffentlichung einer solchen Stellenanzeige davon ausgehen darf, dass eine Diskriminerung vorliegt. Das wäre dem AG im ÖD neu.

Würde eher die Bewerberin oder eher der AG im ÖD Recht erhalten?

Und wo liegt bei z. B. die Mitte bei den Bruttomonatsgehältern, wenn es vor Gericht darum gehen sollte, wenn ein Richter den Parteien sagt, dass man sich doch in der Mitte einvernehmlich treffen könnte und sollte? Liegt die Mitte bei 1,5 Bruttomonatsgehältern, da man von 0 - 3 möglichen Bruttomonatsgehältern ausgehen muss, es also 0 bzw. gar nichts geben könnte oder eben im Maximalfall drei Bruttomonatsgehälter? Oder liegt die Mitte bei zwei Bruttomonatsgehältern, also bei der Mitte von 1 - 3, da es auf jeden Fall mind. ein oder max. drei Bruttomonatsgehälter geben kann?

Was ist dem AG im ÖD zu empfehlen? Ein erneutes und deutlich besseres Angebot unterbreiten, in der Hoffnung, dass die Bewerberin dieses annimmt? Dann wie viele Bruttomonatsgehälter mind.? Oder sollte sich der AG im ÖD keinen Kopf machen und die Klage und dann das Verfahren abwarten, da ein Richter ja tatsächlich der Klägerin 0, also nichts zusprechen kann? Wobei eine Klage bzw. Verfahren ja auch durchaus negative Publicity für den AG im ÖD sein könnte, wenn bei der öffentlichen Sitzung ein Journalist anwesend wäre, was ja nicht selten der Fall ist.

Wie seht ihr das bitte?

Danke euch.

LG

Angela1968
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Re: Schwerbehindert und kein Vorstellungsgespräch! Folgen ...?

Ungelesener Beitragvon Angela1968 » 01.07.2018, 14:23

Hallo,

ich habe mich auch immer geärgert wenn ich der Meinung war das die Stelenausschreibungen auf mein Profil passten und ich nicht eingeladen wurde.Noch mehr ärgrte es mich wenn ich dann ein Standardabsageschreiben erhielt und wenn ich mich dann noch mal persönlich erkundigt habe beim pot. AG was ich an meiner Bewerbung verändern müsste und dann erfahren musste das meine Unterlagen Top waren und auch prima gepasst hätten.

Da weis ich dann eigentlich das eine Ausschreibung der Stelle nur noch pro Forma vorgenommen wurde und der eigentliche Steleninhaber schon im vorneherein feststand.

Tut mir lid, aber mir wären meine Energien zu schade da noch zum Gericht zu gehen und gegen den pot. AG vorzugehen. Ich würde dann lieber das Geschehehene vergessen wollen und meine Enrgien lieber in sinvolle Bewerbungen stecken.

Angela
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TGT
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Re: Schwerbehindert und kein Vorstellungsgespräch! Folgen ...?

Ungelesener Beitragvon TGT » 01.07.2018, 15:49

Hallo,
die Bewerberin handelt absolut korrekt, und ich würde das genauso machen. Soweit ich mich erinnere, schreiben Landesgesetzte den Passus bei Stellenausschreibungen vor, und AG muß sich daran halten. Schwerbehinderten Vertretungen im ÖD müssen die Bewerbungen ebenfalls zum Lesen bekommen und bei Vorstellungsgesprächen dabei sein. Sie haben darauf zu achten, dass SB eingeladen sind. Dieses wäre ein weiteres Kriterium für die Bewerberin, da nicht geschehen. Natürlich hat sie Anspruch auf Schadenersatz. Das alles steht im SGB IX. Die Bewerberin könnte sch evtl. Unterstützung vom Versorgungsamt holen.

PS Ich war viele Jahre SB Vertretung im ÖD.

carriegross
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Re: Schwerbehindert und kein Vorstellungsgespräch! Folgen ...?

Ungelesener Beitragvon carriegross » 01.07.2018, 20:13

Hallo TGT,

wäre super interessant, wo das mit dem Passus in welchen Landesgesetzen steht. ;-) Leider nichts im www gefunden. :'-(

Müssen Schwerbehindertenvertretungen ALLE Bewerbungen zum Lesen bekommen oder "nur" die Bewerbungen von Schwerbehinderten? Wo steht das bitte?

Ab wie vielen Arbeitnehmern muss ein AG im ÖD eine SBV haben? Immer oder z. B. ab 10 Arbeitnehmern?

Wer wäre beim Versorgungsamt zuständig? Was könnten die machen?

LG

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Re: Schwerbehindert und kein Vorstellungsgespräch! Folgen ...?

Ungelesener Beitragvon CuttySark » 01.07.2018, 20:52

Moin, Moin,

mal völlig abgesehen von diesem Fall finde ich, dass es ein starkes Stück ist mir als Arbeitgeber aufzudrücken, wen ich einstellen soll. Wenn ich nur Frauen mit 175 cm plus, BH 80/B-Cup, 50 bis 55 kg, einstellen will, so muss mir das möglich sein.

Ich habe mir meine Bürobesatzung von 6 Mitarbeitern jedes Jahr selber ausgesucht und zwar nach MEINEN Kriterien.

Liebe Grüße
Rolf
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TGT
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Re: Schwerbehindert und kein Vorstellungsgespräch! Folgen ...?

Ungelesener Beitragvon TGT » 01.07.2018, 23:07

carriegross hat geschrieben:Hallo TGT,

wäre super interessant, wo das mit dem Passus in welchen Landesgesetzen steht. ;-) Leider nichts im www gefunden. :'-(
Vielleicht mußt du mal unter Landesverordnungen nachschauen.

Müssen Schwerbehindertenvertretungen ALLE Bewerbungen zum Lesen bekommen oder "nur" die Bewerbungen von Schwerbehinderten? Wo steht das bitte?
Ich habe immer alle Bewerbungen gesehen.

Ab wie vielen Arbeitnehmern muss ein AG im ÖD eine SBV haben? Immer oder z. B. ab 10 Arbeitnehmern?
Die Zahl muß ich selber recherchieren. Ich meine , es sind 5 oder 7 schwerbehinderte AN.

Wer wäre beim Versorgungsamt zuständig? Was könnten die machen?
Ich muß mich korrigieren, meine Integrationsfachdienst.

LG

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Re: Schwerbehindert und kein Vorstellungsgespräch! Folgen ...?

Ungelesener Beitragvon Heinrich » 02.07.2018, 06:35

Hallo carriegross,

Du solltest Dir für Deine Frage ein Forum für Verwaltungs- bzw. für Arbeitsrecht suchen. In diesem Forum bist Du m.M.n. falsch.

Persönliche Anmerkung: vielleicht erschienst Du dem AG anhand Deiner Bewerbung nicht qualifiziert genug. Das kann ja trotz Behinderung der Fall sein.

H.
Ich bin La-la-laie, und meine Beiträge stellen ausschließlich meine persönliche Meinung und/oder Einschätzung zur jeweiligen Situation dar, bzw. schildere ich, was ich selbst in der jeweiligen Situation tun würde.


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