Betreuung von Sozialhilfeempfängern

und sich nicht um Hartz IV, Grundsicherung oder Sozialhilfe dreht.

Moderator: Regelteam

mooze1992
Aktiver Nutzer
Aktiver Nutzer
Beiträge: 2
Registriert: 29.12.2017, 01:03
Bewertung: 0

Betreuung von Sozialhilfeempfängern

Ungelesener Beitragvon mooze1992 » 29.12.2017, 01:20

Hallo Ihr Lieben,

ich habe mich heute erst im Forum angemeldet und bin relativ neu hier.

Ich selber empfange keine Sozialhilfe, allerdings betreue ich in der Telefonseelsorge immer wieder Sozialhilfeempfänger und mittlerweile merke ich, dass ich bei manchen Personen an meine Grenzen stoße und ich würde mich sehr freuen und wäre auch sehr dankbar, wenn ihr eure Erfahrungswerte mit mir teilen würdet, damit ich weiß, wie ich am Besten reagieren kann.

Teilweise sind die Personen die anrufen sehr deprimiert und ich will einfach unterscheiden, welcher Eindruck von Ihnen stimmt und welcher wiederum nicht und es sich eher um Ängste handelt.

Ich habe zum Beispiel eine junge Dame, die seit kurzen wegen eines Krankheitsfall Grundsicherung/Sozialhilfe bezieht und sie wohl Schwierigkeiten mit hat um die Runden zu kommen. Was ich bei dem geringen Einkommen sehr gut verstehen kann.

Ihre Eltern wollten daraufhin mit ihr einkaufen gehen und diese Rechnung bezahlen oder sie öfters mal in der Woche bei sich Mittagessen lassen. Sie ist allerdings völlig verängstigt, diese Hilfe anzunehmen, weil sie befürchtet, dass wenn das Sozialamt diese "Geschenke" erfährt, dass sie noch mehr Kürzungen erhält. So bleibt sie praktisch von jedem Familienessen fern und isoliert sich dadurch allerdings noch mehr. Gleiches gilt auch, wenn Die Familie ihr eine neue Winterjacke kaufen möchte oder was Schönes für die Wohnung oder generell kleine Aufmerksamkeiten.

Sind Ihre Ängste berechtigt?

Ich hoffe ich werde bei meiner nächsten Frage nicht in der Luft zerrissen, denn ich möchte mit dieser Frage auf keinen Fall Geringschätzigkeit ausdrücken.. Denn mir fehlt schlichtweg die Erfahrung mit Sozialhilfe: Ist es sehr schwer mit Sozialhilfe um die Runden zu kommen?
Ich habe mehrere Menschen am Telefon gehabt, die total verzweifelt sind, weil sie sich kaum Geld für Essen und Hygieneartikel leisten kann und ihren Aussagen nach wie ein Penner rumlaufen müssen und sich nicht mal Dinge wie Rasierer oder Binden oder so leisten können. Es fällt mir schwer zu unterscheiden, ob diese Umstände wirklich unveränderlich sind oder ob es sich in dem Moment um Katastrophendenken handelt.

Ich wäre sehr dankbar über eure Hilfe und freue mich auf eure Antworten und wünsche euch bis dahin einen guten Rutsch in das neue Jahr!

Heinrich
Aktiver Nutzer
Aktiver Nutzer
Beiträge: 1901
Registriert: 26.10.2014, 06:46
Bewertung: 43
Bist du mit den Regeln des Forums einverstanden?: Ja

Re: Betreuung von Sozialhilfeempfängern

Ungelesener Beitragvon Heinrich » 29.12.2017, 06:15

Hallo mooze1992,

mooze1992 hat geschrieben:Sind Ihre Ängste berechtigt?

meiner Meinung nach Ja.


mooze1992 hat geschrieben:Denn mir fehlt schlichtweg die Erfahrung mit Sozialhilfe

Wie wäre es damit, solche Anrufer an eine/n KollegIn mit entsprechender Erfahrung zu delegieren? Wenn Du schon Telefonseelsorge machst, dann solltest Du Dich m.M.n. von Deinem Arbeitgeber entsprechend schulen lassen.


mooze1992 hat geschrieben:Ist es sehr schwer mit Sozialhilfe um die Runden zu kommen?

Wenn Du es als schwer erachtest, mit monatlich maximal 409 € (aktuell noch, ab 01.01.18 416 €) auszukommen, dann Ja. Die sog. angemessene Warmmiete (exklusive Haushaltsstrom) zahlt das Sozialamt, so daß die 409 € zum Leben inkl. Haushaltsstrom bleiben bzw. reichen müssen. In besonderen Fällen bekommen die Leistungsbezieher einen sog. Mehrbedarf von ein paar Prozent des Regelsatzes; diesen Mehrbedarf kriegt aber nicht jede/r. Finanzielle Zuwendungen zählen meines Wissens nach als Einkommen (30% davon darf man behalten), zu Sachzuwendungen kann ich nichts sagen.

H.
Ich bin La-la-laie, und meine Beiträge stellen ausschließlich meine persönliche Meinung und/oder Einschätzung zur jeweiligen Situation dar, bzw. schildere ich, was ich selbst in der jeweiligen Situation tun würde.

CuttySark
Aktiver Nutzer
Aktiver Nutzer
Beiträge: 2761
Registriert: 25.05.2016, 19:16
Bewertung: 28
Bist du mit den Regeln des Forums einverstanden?: Ja
Wohnort: Brunsbüttel

Re: Betreuung von Sozialhilfeempfängern

Ungelesener Beitragvon CuttySark » 29.12.2017, 06:32

Guten Morgen mooze1992,

es ehrt Dich, dass Du Dich in Deiner Freizeit für andere Menschen engagierst und das ist im Fall der Telefonseelsorge kein einfaches Unterfangen. Der Bezug von Arbeitslosengeld ist allein schon schwer zu verdauen, rutscht man dann in HARTZ IV (SGB II) oder in die Sozialhilfe (SGB XII) kommen meist noch begleitende Umstände dazu: Aussichtslosigkeit, Ängste, Krankheit, Behinderung, Alter und natürlich das gesellschaftliche Ansehen des "Loosers und Faulpelzes." Die Freunde brechen weg, weil mit 409/416 € niemand am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann.

Der Abstieg unseres Sozialsystems begann 1982 mit der Veröffentlichung des Graf Lambsdorff Papiers, dann begannen in den 90er Jahren die Veränderungen am Sozialsystem, die dann mit der Gesetzgebung SGB II und SGB XII abgeschlossen wurden. Der Niedriglohnsektor wurde geschaffen und die Zeitarbeit bundesweit durchgesetzt. Durch die Systemveränderungen verarmten 15 Millionen Menschen.

Um das zu verstehen müsstest Du Dir Literatur zu diesen Problematiken lesen.

http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf ... studie.pdf

http://www.nachdenkseiten.de/

Literatur findest Du im Netz in Hülle und Fülle. Lies Prof. Dr. Christoph Butterwegge den Armutsforscher an der Uni Köln.

Die Frage nach den Ängsten kannst Du Dir selber beantworten, wenn Du ein wenig über die Thematik gelesen hast.

Gruß
Rolf
Ich bin Laie.
Die von mir gemachten Äußerungen und Kommentare sowie eigene Beiträge spiegeln nur meine persönliche Meinung wider und stellen auch keine Rechtsberatung dar oder ersetzen eine solche.

w12
Administrator
Administrator
Beiträge: 9376
Registriert: 08.09.2004, 16:08
Bewertung: 50
Bist du mit den Regeln des Forums einverstanden?: Ja

Re: Betreuung von Sozialhilfeempfängern

Ungelesener Beitragvon w12 » 29.12.2017, 14:19

Hallo mooze1992

Meinen Respekt für deine Tätigkeit.

Ich bedaure zutiefst, dass du hier unsachlich angegangen worden bist.

Aber ich glaube, dass du durch deine Tätigkeit abgehärtet genug bist, um den Spruch mit der Eiche zu leben.

Leider sind die Ängste berechtigt.
Während im Arbeitslosengeld II das Sachgeschenk nicht mehr angerechnet wird, verwehrt der Gesetzgeber alten und/oder kranken Menschen in der Sozialhilfe diese Selbstverständlichkeit.
Wenn z.B. regelmäßig die Eltern Lebensmittel einkaufen, dann besteht die Möglichkeit, dass der im Regelsatz enthaltene Anteil gekürzt wird.
Es gab vor vielen Jahren mal den Versuch, das Tafelessen anzurechnen.
Das wurde gerichtlich verworfen.

Das Problem, was wir beide haben, wir können ja nicht einfach sagen/schreiben, dass das schon keiner erfahren wird.

Ich denke, dass es sachgerecht ist, zu sagen, dass die Teilnahme an den Familienfesten und das gelegentliche Mittagessen, unbedenklich sind.
Die anderen Sachzuwendungen sind leider bedenklicher.

Vielleicht hilft dir das etwas weiter.

Viel Erfolg.

Gruß
w12
Ich bin Laie.
Die von mir gemachten Äusserungen und Kommentare sowie eigene Beiträge spiegeln nur meine pers. Meinung wieder und stellen auch keine Rechtsberatung dar oder ersetzen eine solche.

Elfriede
Aktiver Nutzer
Aktiver Nutzer
Beiträge: 386
Registriert: 04.05.2014, 19:07
Bewertung: 0
Bist du mit den Regeln des Forums einverstanden?: Ja
Wohnort: Hessen

Re: Betreuung von Sozialhilfeempfängern

Ungelesener Beitragvon Elfriede » 29.12.2017, 14:43

Hallo Mooze
Ja leider mussman aufpassen wie ein Wach hund.gegen abgelegte Kleidung kann niemand was sagen,
Oder auch kleidung aus 2hand kaufen
Ein austauch unter freunden und verwandten etwas kleineszu verschenken was dder oder die anderen,nicht mehr brauchen.
Ich bin da auch höllich vorsichtig
Gruss elfriede

CuttySark
Aktiver Nutzer
Aktiver Nutzer
Beiträge: 2761
Registriert: 25.05.2016, 19:16
Bewertung: 28
Bist du mit den Regeln des Forums einverstanden?: Ja
Wohnort: Brunsbüttel

Re: Betreuung von Sozialhilfeempfängern

Ungelesener Beitragvon CuttySark » 29.12.2017, 16:31

Hallo mooze1992.
Hallo w12,
Hallo Elfriede,

weder Heinrich noch ich haben die Absicht Dich hier anzumachen. Deinem Engagement stehe ich positiv gegenüber und finde es großartig, dass Du dafür Lebenszeit opferst.

Wir sind hier in einem Forum, dass von jedem Interessierten eingesehen werden kann und müssen deshalb immer "sauber" bleiben. Natürlich ängstigt das System Menschen. Viele werden depressiv, bekommen suizidale Gedanken. Deshalb ist es wichtig sich hinzusetzen und zu überlegen, was möglich ist, was nicht und wie eine Handlung kontrolliert werden kann. Mein Standard Spruch heißt: NUR BARES IST WAHRES! Geben Eltern Ihrem Kind Geld, so muss es dieses logischerweise der Sozialbehörde anzeigen, damit es ihm wieder angerechnet/abgezogen werden kann. Eltern sollten deshalb nie Geld auf das Konto ihrer Kinder einzahlen, denn alles was Konten betrifft ist nachvollziehbar.

Und ehrlich gesagt, ist es nicht viel schöner seinem Kind einen Hunderter zu schenken und die leuchtenden Kinderaugen zu sehen. Denkt nur an Helmut Kohl unseren ehemaligen Bundeskanzler, Gott hab ihn selig, wie gern er Geld für seine Partei kassiert hat........

Immer schön ehrlich bleiben.

LG Rolf
Ich bin Laie.
Die von mir gemachten Äußerungen und Kommentare sowie eigene Beiträge spiegeln nur meine persönliche Meinung wider und stellen auch keine Rechtsberatung dar oder ersetzen eine solche.

Elfriede
Aktiver Nutzer
Aktiver Nutzer
Beiträge: 386
Registriert: 04.05.2014, 19:07
Bewertung: 0
Bist du mit den Regeln des Forums einverstanden?: Ja
Wohnort: Hessen

Re: Betreuung von Sozialhilfeempfängern

Ungelesener Beitragvon Elfriede » 29.12.2017, 16:37

Klar Rolf
Gewiss wir sollen ehrlich sein und bleiben.
Logich das weiss Gott wie viele Menschen schaun das sie überleben können.
Und auch logisch wer zu ehrlich ist der wird halt auch bestraft
Das wissen wir doch alle.gruss Elfriede

w12
Administrator
Administrator
Beiträge: 9376
Registriert: 08.09.2004, 16:08
Bewertung: 50
Bist du mit den Regeln des Forums einverstanden?: Ja

Re: Betreuung von Sozialhilfeempfängern

Ungelesener Beitragvon w12 » 29.12.2017, 17:17

Hallo

Es geht eben nicht darum zu akzeptieren, dass man der Oma nicht mal einen Kühlschrank oder einen Truthahn schenken darf.

Wie im SGB II, so muss auch bei einem alten oder krankem Menschen, ein Sachgeschenk frei sein.
Es muss der Oma möglich sein, dem Enkel ein Geschenk machen zu dürfen, das auch in einer Geldüberweisung bestehen kann.

In welcher Welt leben wir, dass wir diesen ganzen Mist so einfach schlucken.

Steter Tropfen höhlt den Stein, auch bei unseren Anliegen.

Heinrich:
Wie wäre es damit, solche Anrufer an eine/n KollegIn mit entsprechender Erfahrung zu delegieren? Wenn Du schon Telefonseelsorge machst, dann solltest Du Dich m.M.n. von Deinem Arbeitgeber entsprechend schulen lassen.


Das ist herabwürdigend! Insbesondere von jemanden, der/die mit ihrem Wissen sehr oft weit daneben liegt.


Man sollte sich zunächst mal schlau machen, wenn man von einem Thema keine Ahnung hat.
http://www.telefonseelsorge.de/?q=node/14

Gruß
w12
Ich bin Laie.

Die von mir gemachten Äusserungen und Kommentare sowie eigene Beiträge spiegeln nur meine pers. Meinung wieder und stellen auch keine Rechtsberatung dar oder ersetzen eine solche.

mooze1992
Aktiver Nutzer
Aktiver Nutzer
Beiträge: 2
Registriert: 29.12.2017, 01:03
Bewertung: 0

Re: Betreuung von Sozialhilfeempfängern

Ungelesener Beitragvon mooze1992 » 30.12.2017, 00:03

Hallo Ihr Lieben,

vielen Dank, dass Ihr eure Erfahrungswerte mit mir teilt und für die Anerkennung für mein Ehrenamt. :oops:

Ich kann mir solangsam ein Bild von den Umstände machen und ich denke, dass da einfach noch wenig Vertrauen in das Sozialsystem ist und das für den Anfang auch sehr beängstigend bzw. einschüchternd sein kann.

Ich werde mal dafür sorgen, mehr das Vertrauen aufzubauen und was das Ziel dieser Sozialhilfe ist.

Kommt gut ins neue Jahr! :clap: :dance:

CuttySark
Aktiver Nutzer
Aktiver Nutzer
Beiträge: 2761
Registriert: 25.05.2016, 19:16
Bewertung: 28
Bist du mit den Regeln des Forums einverstanden?: Ja
Wohnort: Brunsbüttel

Re: Betreuung von Sozialhilfeempfängern

Ungelesener Beitragvon CuttySark » 30.12.2017, 00:52

Moin, Moin mooze1992,

ich finde es toll, wie Du Dich bemühst, aber zumindest hast Du mich scheinbar völlig missverstanden. Mein Ratschlag Dich durch Literatur zu informieren
würde Dir klar machen, wie Arbeitslose und kranke Menschen in unserem Land betrogen werden. Du musst erst verinnerlichen, wie pervers diese Sozialkürzungen vorgenommen wurden. Von heute 416 € kann niemand seinen Ar...ch am ka...en halten. Die Menschen bluten aus, werden krank, werden aus ihren Umgebungen gerissen und müssen jede Tätigkeit annehmen, die sich Ihnen bietet.

Nimm nur ein kleines Beispiel. Ehepaar, 2 Kinder 12 und 14 Jahre, gehen zur Realschule, die Familie hat ein kleines Haus, die Frau arbeitet als Reinigungskraft 1/2 Tag, Mann ist Fliesenleger, 40 Jahre alt und hat kaputte Knie. Er muss jede Arbeit annehmen. Er bekommt ein Angebot aus München, aber wie sollte das funktionieren? Wie will diese Familie überleben? Die Kinder brauchen den Vater, die Frau braucht Ihren Mann, das Haus braucht handwerkliche Pflege. Daran siehst Du, dass der Gedankenansatz schon idiotisch ist in München zu arbeiten. Wie lange glaubst Du, würde es diese Familie noch geben?

Das Ziel der Sozialhilfe ist es Arbeitslose und Kranke/Alte/Grundsicherungsempfänger billig abzuspeisen. Bitte lies selber:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/a ... 05632.html

Ich wünsche Dir einen schönen Jahreswechsel.

Liebe Grüße
Rolf
Ich bin Laie.
Die von mir gemachten Äußerungen und Kommentare sowie eigene Beiträge spiegeln nur meine persönliche Meinung wider und stellen auch keine Rechtsberatung dar oder ersetzen eine solche.


Zurück zu „Was euch auf der Seele brennt ...“