Hartz IV/Sozialhilfe bei gemeinsamer Wohnung

Fragen zu den Leistungen für Unterkunft und Heizung (§ 22 SGB II)

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PatFFM
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Hartz IV/Sozialhilfe bei gemeinsamer Wohnung

Ungelesener Beitragvon PatFFM » 16.02.2018, 06:42

Hallo liebe Community,
Meine aktuelle Lage sieht wie folgt aus. Ich (25, Student) und mein Partner (18, Minijob) werden zusammen ziehen in 1,5 Monaten. Mein monatliches Netto-Einkommen bezieht sich auf 930-1000€ (Werkstudent + Minijob). Mein Partner hat ein monatliches Einkommen von 350€ (Minijob) und er ist im Moment auf der Suche nach einer Ausbildung. Aktuell wohnen wir beide noch bei einem unsere Elternteile. Ich muss auziehen Aufgrund meines Studiums, bei meinem Partner liegt kein Härtefall vor (Streit mit Mutter oder Rauswurf).

Die Mutter meines Partners hat eine Festanstellung, wird nach Stunden bezahlt und hat ein Netto-Einkommen zwischen 1400-1700€ monatlich. Weiterhin ist Sie noch unterhaltspflichtig für seinen kleinen Bruder (16, Schüler). Seine ältere Schwester (bereits ausgezogen) bekommt Berufsausbildungsbeihilfe. Wichtig wäre evtl noch zu erwähnen, dass mein Partner Halbwaise ist.

Nun wollte ich fragen ob mein Partner Hartz IV bekommen kann, da seine Eltern noch unterhaltspflichtig sind oder sehe ich das falsch?
Besteht eine andere Möglichkeit auf Hilfe vom Staat außer Kindergeld?
Macht es einen Unterschied ob er Hartz IV (oder andere Hilfe) jetzt beantragt oder erst nachdem wir bereits einen Monat in unserer Wohnung leben?

Vielen Dank vorab schonmal für die Unterstützung

Heinrich
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Re: Hartz IV/Sozialhilfe bei gemeinsamer Wohnung

Ungelesener Beitragvon Heinrich » 16.02.2018, 07:45

Hallo PatFFM,

PatFFM hat geschrieben:Macht es einen Unterschied ob er Hartz IV (oder andere Hilfe) jetzt beantragt oder erst nachdem wir bereits einen Monat in unserer Wohnung leben?

ja, es macht einen Unterschied, da Dein Partner unter 25 Jahren alt ist und somit aus sozialrechtlicher Sicht noch zu Hause leben sollte.

Ich würde deshalb zuerst umziehen und danach einen Antrag auf ALG 2 stellen. Während des 1. Jahres des Zusammenlebens sollte Dein Einkommen nicht angerechnet werden. Danach schon, da Ihr dann als sog. Bedarfsgemeinschaft geltet.

Die Unterhaltspflicht der Mutter spielt - meiner Einschätzung nach - bei Bezug von ALG 2 keine Rolle.

Wenn alles glatt läuft, zahlt das Jobcenter Deinem Partner die Hälfte der Miete + 416 € Regelsatz.

Ich bin aber nicht ganz sicher ob von Seiten des Jobcenters alles glatt laufen wird und möchte auf Wohngeld hinweisen.

Um dieses beziehen zu können, braucht Dein Partner ein Einkommen in Höhe von 80% des Sozialhilfeniveaus (Hälfte der Miete plus die 416 €).

H.
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Re: Hartz IV/Sozialhilfe bei gemeinsamer Wohnung

Ungelesener Beitragvon w12 » 16.02.2018, 13:57

Hallo PatFFM

U25 benötigen vor dem Umzug die Erlaubnis des Jobcenters.
Auch ein vorheriger Umzug ändert daran nichts.

Grundsätzlich sind die Eltern während der Ausbildung Unterhaltspflichtig.
Allerdings dürfte hier keine Leistungsfähigkeit vorliegen.

Ob ein Zusammenzug nicht von Anfang an als Bedarfsgemeinschaft betrachtet wird, liegt in der Glaskugel.
Bei deinem Einkommen und einem Minijob plus KG, dürfte ja auch keine Hilfsbedürftigkeit vorliegen.

Gruß
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Re: Hartz IV/Sozialhilfe bei gemeinsamer Wohnung

Ungelesener Beitragvon CuttySark » 16.02.2018, 14:12

Hallo PatFFM,

in Deinem Fall ist die Sache klar. Mein Rat an Dich wäre: Wohnung auf Deinen Namen anmieten.

Im Fall Deines Freundes sieht es anders aus. Da fehlen Angaben:

Halbwaisenrente wird in welcher Höhe gezahlt?
Kindergeld wird in welcher Höhe gezahlt?
Einkünfte aus Minijob in welcher Höhe?

Wenn diese Dinge geklärt sind, würde ich das Thema noch einmal ansprechen.

Gruß
Rolf
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PatFFM
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Re: Hartz IV/Sozialhilfe bei gemeinsamer Wohnung

Ungelesener Beitragvon PatFFM » 17.02.2018, 18:10

Vielen Dank schon mal für die vielen Antworten.
Aktuell bezieht er weder Halbwaisenrente noch Kindergeld. Sein Einkommen beträgt 350€ aus einem Minijob

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Re: Hartz IV/Sozialhilfe bei gemeinsamer Wohnung

Ungelesener Beitragvon CuttySark » 17.02.2018, 19:23

Hallo PatFFM,

dann bitte sofort klären, warum nicht? Suche mal bei Google nach dem Thema Halbwaisenrente und nach dem Thema Kindergeld.

Gruß
Rolf
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Re: Hartz IV/Sozialhilfe bei gemeinsamer Wohnung

Ungelesener Beitragvon Heinrich » 18.02.2018, 05:56

Hallo PatFFM,

w12 hat geschrieben:U25 benötigen vor dem Umzug die Erlaubnis des Jobcenters.
Auch ein vorheriger Umzug ändert daran nichts.

ich bin der Meinung, daß ein vorheriger Umzug eine große Rolle spielen kann. Wenn ein unter 25-jähriger zum Zeitpunkt der Antragstellung nicht mehr zu Hause, sondern bereits mit seiner/seinem PartnerIn zusammenwohnt, kann das JC sicherlich versuchen, ihn wieder nach Hause zu "befördern", muß aber nicht so ein.

Ich bin da nicht so negativ eingestellt wie w12 offensichtlich und würde Euch empfehlen, die Aktion zu versuchen, bzw. vorher noch mal vor Ort eine Beratung einzuhoilen. Wohngeld hatte ich ja auch schon angesprochen.

Wenn Ihr zusammenzieht, solltest Du Dich darauf einstellen, daß Du Deinen Partner ggf. zunächst finanziell unterstützen mußt, falls es Schwierigkeiten mit den Behörden geben sollte.

H.
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Re: Hartz IV/Sozialhilfe bei gemeinsamer Wohnung

Ungelesener Beitragvon CuttySark » 18.02.2018, 08:28

Hallo PatFFM,

auch ich würde die elterliche Wohnung verlassen, denn von meiner Überlegung her hat Dein Freund Anspruch auf Halbwaisenrente, Kindergeld und die Einkünfte aus seinem Mini-Job. Da Du die Wohnung allein anmietest, kann Dir nichts passieren. Du bist immer außen vor.

Gruß
Rolf
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Re: Hartz IV/Sozialhilfe bei gemeinsamer Wohnung

Ungelesener Beitragvon Uwe Kruppa » 18.02.2018, 09:20

Hallo "PatFFM"...

ich glaube ich muss hier einmal ein paar Klarstellungen posten.

1.) Kindergeld, aber auch die Halbwaisenrente werden nach den gesetzlichen Vorgaben grundsätzlich nur bis zum 18. Lebensjahr gezahlt. Es können für beide Leistungen aber verlängerte Zahlungen beantragt werden, wenn der Bezugsberechtigte sich z. B. in der Ausbildung, schulischer Bildung oder im sozialen Jahr befindet.

Beides scheint für deinen Partner z. Zt. nicht er Fall zu sein.

2.) Ziehen unter 25-jährige aus dem Elternhaus aus und werden dadurch im Sinne von Hartz IV leistungsbedürftig, so müssen sie vor der Unterzeichnung eine Genehmigung des zuständigen Jobcenters einholen. Wird das unterlassen, kann das Jobcenter die nachträgliche Kostenzusage für Unterkunft und Heizung verweigern. Landessozialgericht Sachse-Anhalt (AZ: L 5 AS 613/12 B – vom 19.09.2012)

3.) Die Mutter ist nach dem BGB auch nicht Unterhaltsverpflichtet, den die Unterhaltsverpflichtung nach bürgerlichen Recht endet ebenfalls mit dem 18. Lebensjahr- Ausnahmen sind die von mir bereits genannten Fälle (Ausbildung, schulischer Bildung oder im sozialen Jahr). Selbst wenn Sie Unterhaltsverpflichtet wäre, würde es sich aufgrund ihres Einkommens und der Unterhaltsverpflichtung Anderer gegenüber um einen sog. Mangelfall handeln und Sie entsprechend nicht Leistungsfähig zu sein.

Gruß
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Re: Hartz IV/Sozialhilfe bei gemeinsamer Wohnung

Ungelesener Beitragvon Uwe Kruppa » 18.02.2018, 09:25

@ Heinrich und @ CuttySark

Ein Blick ins Gesetz erleichtert die Rechtsfindung :achtung:

FG
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