Erfolgsaussichten bei Antrag?

Fragen zu den Regelleistung zur Sicherung des Lebensunterhalts (§ 20 SGB II)

Moderator: Regelteam

Johnny
Aktiver Nutzer
Aktiver Nutzer
Beiträge: 1
Registriert: 08.08.2018, 23:03
Bewertung: 0

Erfolgsaussichten bei Antrag?

Ungelesener Beitragvon Johnny » 08.08.2018, 23:59

Guten Abend zusammen,

ich möchte hier gerne einmal kurz meine Situation schildern, und hoffe dass mir erfahrene User oder jemand der selbst Erfahrung mit so einer (ähnlichen) Konstellation hat, eine ungefähre Prognose geben können, ob ein Antrag bei der zuständigen Stelle Erfolg hätte oder nicht.

Es fängt schon damit an, dass ich überhaupt nicht sicher bin, ob das Thema in die Rubrik "Hartz IV" oder "Sozialhilfe" gehört.

Naja, die Konstellation ist folgende:

Ich (Mitte 20) wohne seit einem Jahr mit meiner Freundin (Anfang 20) zusammen. Wir leben im Haus ihrer Mutter (Eigentum), die dort ebenfalls haust. Also quasi ein 3-Personen-Haushalt wenn man so möchte.

Ich habe ein Studium abgeschlossen. Ich war dieses Jahr drei Monate in einer Tagesklinik, und wurde laut Bericht "arbeitsunfähig" entlassen. Empfohlen wurde mir weiterführende ambulante Psychotherapie, die ich nun auch bald beginne.

Beim Arbeitsamt warte ich zurzeit noch auf das Ergebnis des Ärztlichen Dienstes, aber da das Gutachten erstellt wurde, ohne dass ich vorstellig werden musste, gehe ich davon aus dass dort einfach das Geschreibsel aus dem Klinik-Entlassbericht übernommen wurde.

Meine Eltern haben mich während dem Studium finanziell unterstützt, aber sie möchten die Zahlungen nun einstellen, weshalb der Gedanke an eine Antrag-Stellung akut wird.

Miete verlangt meine Schwiegermutter zwar nicht, jedoch entstehen durch Nebenkosten-Beteiligung, Essen/Trinken und freiwillig gesetzlicher Krankenversicherung finanzielle Posten, die ich mit 0€ Einkommen unmöglich bestreiten kann.

Die finanzielle Situation im Haus ist generell eher schlecht, meine Schwiegermutter lebt von Erwerbsminderungsrente und meine Freundin macht zurzeit (nach mehreren Therapien) eine Reha-Maßnahme für psychisch Kranke. Das Ganze läuft über die Arbeitsagentur und wird durch "Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben" gefördert. Zusammen mit ihrer Halbwaisenrente kommt sie also auf monatliche Einnahmen von ungefähr 500€. Zudem wird Kindergeld auf das Konto der Mutter gezahlt.

Rücklagen habe ich keine, meine Freundin hat jedoch durch den Tod ihres Vaters ein Erbe, von dem zurzeit noch rund ein durchschnittliches deutsches Jahreseinkommen übrig ist.

Ein wenig habe ich mich ja auch schon eingelesen, und vermute dass der Fall als "eheähnliche Lebensgemeinschaft" eingestuft wird, sodass vom Unterhalt des Lebenspartners ausgegangen wird.

Da meine Lebenspartnerin jedoch einige Zeit gänzlich ohne Einkommen war, ist das Erbe schon geschrumpft und auch die Schwiegermutter muss gelegentlich darauf zurückgreifen. Da es auch unklar ist, ob sie nach der Maßnahme überhaupt eine Arbeit findet, könnte es sein dass sie das Erbe noch sehr gut selbst brauchen kann.

Danke falls Ihr es bis hierhin geschafft habt, und vielleicht könnt Ihr ja sogar bereits eine erste grobe Einschätzung geben, ob Ansprüche auf Förderung zum Lebensunterhalt bestehen.

Ich habe mich bemüht möglichst alle wichtigen Informationen niederzuschreiben, falls doch noch etwas fehlen sollte dann reiche ich das natürlich auf Nachfrage gerne nach.

Gute Nacht

CuttySark
Aktiver Nutzer
Aktiver Nutzer
Beiträge: 1668
Registriert: 25.05.2016, 19:16
Bewertung: 13
Bist du mit den Regeln des Forums einverstanden?: Ja
Wohnort: Brunsbüttel

Re: Erfolgsaussichten bei Antrag?

Ungelesener Beitragvon CuttySark » 09.08.2018, 06:34

Moin, Moin Johnny,

ich würde damit beginnen mein Leben zu überdenken und mich vom Acker machen. Das Umfeld ist Deiner Entwicklung abwegig. Sieh zu, dass Du Dein Ding durchziehst.

Willst Du trotz allem in dieser Situation verbleiben, dann wirst Du als in Partnerschaft Lebender geführt = 90 % Regelsatz plus Kosten der KDU, die angemessen sind.

LG Rolf
Ich bin Laie.
Die von mir gemachten Äußerungen und Kommentare sowie eigene Beiträge spiegeln nur meine persönliche Meinung wider und stellen auch keine Rechtsberatung dar oder ersetzen eine solche.

Heinrich
Aktiver Nutzer
Aktiver Nutzer
Beiträge: 1316
Registriert: 26.10.2014, 06:46
Bewertung: 25
Bist du mit den Regeln des Forums einverstanden?: Ja

Re: Erfolgsaussichten bei Antrag?

Ungelesener Beitragvon Heinrich » 09.08.2018, 09:49

Hallo Johnny,

Problem 1 sehe ich darin, daß Dir bislang noch keine Informationen darüber vorliegen ob Du als erwerbsfähig giltst oder als nicht erwerbsfähig. Nach meinem Wissen ist bis zur Klärung das Jobcenter für Dich zuständig.

Problem 2 könnte das verbliebene Erbe Deiner Freundin sein, da Ihr vermutlich als eheähnliche Gemeinschaft gelten werdet und das restliche Erbe ggf. Euren Vermögensfreibetrag überschreitet. Im Klartext bedeutet das, daß Du bis zum Erreichen der Freibetragsgrenzen evtl. auch von dem Erbe leben mußt, was vielleicht nicht im Sinne des Erblassers ist. (mit Verlaub)

Zudem würde das Einkommen Deiner Freundin auf Eure "Bedarfsgemeinschaft" angerechnet.

Ich an Deiner Stelle würde vor einer Antragstellung eine Rechtsberatung vor Ort einholen. Bei einer Arbeitslosen- oder einer Sozialberatungsstelle (u.a. bei Caritas und/oder Diakonie versuchen) oder ggf. bei einem Fachanwalt für Sozialrecht.

https://de.wikipedia.org/wiki/Beratungshilfe

H.
Ich bin La-la-laie, und meine Beiträge stellen ausschließlich meine persönliche Meinung und/oder Einschätzung zur jeweiligen Situation dar, bzw. schildere ich, was ich selbst in der jeweiligen Situation tun würde.


Zurück zu „Regelleistung zur Sicherung des Lebensunterhalts“