Trennung, neuer Job, Umschulung

Fragen zu Einkommen und Vermögen (§§ 11, 12 SGB II)

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Limaschu
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Trennung, neuer Job, Umschulung

Ungelesener Beitragvon Limaschu » 18.06.2018, 12:29

​Hallo ihr alle,


ich hoffe das ist jetzt der richtige Bereich, meine Fragen sind etwas komplexer, also wusste ich nicht so recht, welches Forum richtig ist.


Nun zu meinem "Problem" bzw meinen Problemen.


Mein Mann und ich wohnen zusammen in einer Bedarfsgemeinschaft. Er macht ab Sommer eine überbetriebliche vom Jobcenter geförderte Umschulung und ich bin auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Nun ist es so, dass wir uns getrennt haben. Wir wohnen beide im Haus meiner Mutter (Jobcenter bezahlt 2/3 der Nebenkosten für das Haus). Ich habe entschieden, dass mein Mann hier wohnen bleiben soll, da er eben die wohnortnahe Umschulung macht und ich ihm das auch nicht verbauen will (er versteht sich gut mit meiner Mum und die beiden haben kein Problem damit). Jetzt wäre meine erste Frage, kann ich ausziehen und das Jobcenter bezahlt mir eine angemessene 1-Zimmer-Wohnung, obwohl wir verheiratet sind und eine Bedarfsgemeinschaft bilden? Wie läuft das bei einer Trennung?


Die zweite Frage, und eigentlich erstmal die wichtigere, ich habe morgen ein Vorstellungsgespräch für einen Teilzeitjob. Bei diesem würde ich ca. 900-1000€ Netto verdienen. Ich will auf eigenen Beinen stehen und das wäre der erste Schritt in diese Richtung. Allerdings befürchte ich, dass ich meinen Mann von dem Geld "mitfinanzieren" muss, wenn er seine Umschulung macht, ist das richtig? Wird die Umschulung überhaupt noch bezahlt, wenn wir durch meinen Job aus dem Leistungsbezug rausfallen? Und wie sieht das in der Umschulung mit der Kranken-/Rentenversicherung aus? Muss mein Mann sich dann von meinem Geld selbst versichern? Ihr seht schon Fragen über Fragen, aber ich möchte alles vorher abgeklärt haben, bevor ich den Job annehme. Beim Jobcenter angerufen habe ich schon, allerdings konnten oder wollten die mir keine Auskunft geben. Klar wollen die mich in dem Job sehen. Ich möchte diesen Job auch wirklich machen, allerdings habe ich ein bisschen Angst, dass dadurch die Umschulung meines Mannes gefährdet ist.


Danke schon einmal für die Antworten.

CuttySark
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Re: Trennung, neuer Job, Umschulung

Ungelesener Beitragvon CuttySark » 18.06.2018, 15:28

Hallo Limaschu,

es ehrt Dich an Deinen Mann zu denken aber wichtiger wäre es an Dich zu denken. Wie alt bist Du und welche Ausbildung beabsichtigst Du zu machen? Ihr seid kinderlos? Oder habt ihr Kinder und beim wem sollten sie bleiben?

Absoluten Vorrang sollte Deine Ausbildung haben und da beginnt mein Verständnisproblem. In einem Halbtagesjob verdienst Du 900 bis 1000 €, die Dir bis auf rund 160 € weggenommen werden, wenn Du dich im SGB II Bezug anmeldest. Das hieße 416 € Regelsatz plus 160 € = 576 € plus die angemessene Warmmiete sagen wir mal 400 € dann hättest Du 976 € Einkommen. Wie willst Du dann noch jemanden unterstützen?

Viel wichtiger wäre Dir eine Ausbildungsstelle zu suchen, wo Du noch in diesem Jahr mit der Ausbildung beginnen könntest. Ich hatte am Donnerstag letzter Woche ein Gespräch mit einem Jobcenter Mitarbeiter, der mir sagte, dass Arbeitsplätze in Hülle und Fülle da sind und man händeringend Mitarbeiter sucht, die keine beruflichen Einstellungshandicaps haben. Diesen Weg würde ich eher gehen als in eine Halbtagestätigkeit.

Freue mich auf Deine Antwort.

LG Rolf
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DennisBln
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Re: Trennung, neuer Job, Umschulung

Ungelesener Beitragvon DennisBln » 18.06.2018, 21:39

Hallo, Lima,

bezüglich Deiner Sorge um ehelichen Unterhalt bräuchtest Du Dir bei dem von Dir genannten Verdienst wohl keine Gedanken zu machen - Du wärst schlicht nicht leistungsfähig. Punkt. Eine räumliche Trennung ist sehr wohl auch während einer Ehe möglich, wenn das Einkommen beider zu gering ist (bzw. nicht hoch genug, um sich selbst zu versorgen), bildet Ihr auch keine Bedarfsgemeinschaft mehr. Diese kann nur vorliegen, wenn auch zugleich eine Haushaltsgemeinschaft besteht - genau das läge dann aber nicht vor.
Ob die Umschulung weiter finanziert wird, dürfte eine Einzelfallentscheidung sein. Abgesehen davon sehe ich nicht, wie Ihr bei gemeinsamer Haushaltsführung, also ohne Trennung, aus dem ALG II-Bezug fallen könntet. Von Deinem Einkommen sind Absetzbeträge abzuziehen. Bei einem Nettoverdienst von etwa 1000 EUR wären das dann 300 EUR (brutto > 1200 EUR). Somit blieben nur noch etwa 700 EUR anrechenbares Einkommen, und dies deckt bereits nicht einmal mehr die Regelleistung für 2 erwachsene Personen. Kommen noch die Kosten für Unterkunft und Heizung, bleibt Ihr im ALG II-Bezug, somit wäre auch die Finanzierung der Umschulung gesichert. Grundsätzlich solltest Du dann auch auf Deine Lohnsteuerklasse achten, als Alleinverdienerin wäre dann die Lohnsteuerklasse 3 (für Deinen Mann die 5) anzuraten. Ob sich dann später eine Lohnsteuererklärung lohnt, wäre ein anderes Thema, durch die "stille 5" (gemeint ist die Lohnsteuerklasse) Deines Mannes wärst Du zu einer solchen jedenfalls nicht verpflichtet. Diesen Rat gebe ich Dir schon im Voraus, weil sehr wahrscheinlich das JobCenter dazu auffordern wird, ggf. über einen Wechsel der Lohnsteuerklassen nachzudenken.


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