Zusammen ziehen?

Archiv der Beiträge von 1999 bis 30.09.2006. Nur Leseberechtigung

Moderator: Regelteam

Bine1501

Zusammen ziehen?

Ungelesener Beitragvon Bine1501 » 10.09.2006, 20:29

Hallo!
Ich bin alleinerziehende Mutter von meinem 2 jährigen Sohn und beziehe Hartz 4. Ich wohne mit ihm in einer 2-Zimmer-Wohnung ca. 55 qm.. Seit längerem habe ich wieder einen festen Freund, der sich auch super mit meinem Kleinen versteht. Nun sind wir am überlegen zusammen in eine 3 Zimmer-Wohnung zu ziehen. Meine Frage und auch Bedenken der ganzen Angelegenheit:
Mein Freund bezieht zur Zeit auch Hartz 4 und hat einen Sohn für den er Unterhalt zahlen muss. Wenn wir jetzt zusammen ziehen würden, weiss ich das wir eine sogenannte "Bedarfsgemeinschaft" bilden und somit uns 180 % des Regelsatzes zusteht. Demnach würde ja der Mehrbedarfzuschlag wegen Alleinerziehung wegfallen. Oder? Bekommt mein Sohn dann auch Hartz 4? Wie wird das berechnet?
Wenn mein Freund Arbeit findet, wird er wohl nicht mehr als ein Nettoverdienst von 1000,- bis 1200,- Euro haben. Da ich aber erst nächstes Jahr wieder arbeiten gehen kann, wenn mein Sohn in den Kindergarten geht, wäre er ja der Alleinverdiener. Aber wie soll man zu dritt von 1000,- Euro leben? Wenn ich nur daran denke davon die Miete, Nebenkosten, Lebensmittel etc. zu bezahlen würden wir wir schon im fetten Minus enden.
Kann man Wohnbeihilfe beantragen? Und dann wenn er wieder arbeiten geht, wird das Jugendamt den Unterhalt für seinen Sohn anforden, wo ja auch wieder Geld fehlen würde....?! Oder bleibt uns ein "Grundgeld" wo keiner dran darf? Was sollen wir tun? Doch lieber getrennt leben in zwei Wohnungen? Oder gibt es Lösungen? Ich kenne mich leider auch überhaupt nicht aus und würde mich freuen hier ein paar hilfreiche Infos zu bekommen!
In den Medien wird einem schon ganz angst und bange wegen den kontrollen.In wieweit darf das sozialamt in meine Privatphäre eingreifen? Wie z.B. nach Klamotten die Schränke durchsuchen. Natürlich schläft mein Freund in der Woche 2 oder 3 mal bei mir und hat auch Wechselkleidung und eine Zahnbürste bei mir liegen. Aber ich muss doch erstmal eine Beziehnung führen - nicht umsonst gibt es ja das Sprichwort: Prüfe wer sich ewig bindet...
Vielen Dank...

Benutzeravatar
Uwe Kruppa
Administrator
Administrator
Beiträge: 7138
Registriert: 11.07.1999, 21:48
Bewertung: 29
Bist du mit den Regeln des Forums einverstanden?: Ja
Wohnort: Im Forum
Kontaktdaten:

Re: Zusammen ziehen?

Ungelesener Beitragvon Uwe Kruppa » 12.09.2006, 10:57

Hallo „Bine1501“...

Richtig ist, dass wenn ihr zusammenzieht der „Mehrbedarfszuschlag wegen Alleinerziehung“ wegfallen wird. Ob dein Kind Sozialgeld erhalten wird, hängt von seinem Einkommen ab. Als Einkommen wird ihm angerechnet werden, das Kindergeld und falls dein jetziger Freund nicht der unterhaltspflichtige Kindesvater ist, der Kindesunterhalt. Die Differenz zwischen dem sozialrechtlichen Bedarf und dem Einkommen des Kindes wird, falls eine vorhanden ist, als Sozialgeld übernommen werden.

Sollte dein Freund nächstes Jahr eine Arbeit finden, dann wird der sozialrechtliche Bedarf der eäG dem Einkommen aller Mitglieder der Haushaltsgemeinschaft gegenübergestellt. Das Einkommen deines Freundes wird aber noch „bereinigt“ werden müssen. Sollte im Ergebnis eine negatives Saldo entstehen dann gibt es die Möglichkeit ergänzende Hilfen (nach dem SGB II, Wohngeld, usw...) zu erhalten. Wie das im Einzelnen aussehen wird lässt sich erst beurteilen wenn konkrete Zahlen vorliegen. Ihr könnt aber anhand eines Onlinerechners, z. B. Berechnung von Arbeitslosengeld II, Kinderzuschlag und Sozialgeld auf der HP von Lilienkelch ( http://www.lilienkelch.de/Hartz4-Kinder ... chner.html ) dies ungefähr ausrechnen.

Dein Freund muss selbstverständlich seinen Unterhaltsverpflichtungen seinem Kind gegenüber vorrangig nachkommen.

Zur Frage der Kontrollen der Arbeitsagentur durch die Bedarfsermittler bitte ich dich den Thread http://www.forum-sozialhilfe.de/board/s ... id=119728& zu lesen.

Gruß

Uwe Kruppa

(Aufgrund akuten Zeitmangels kann ich zur Zeit auf Anfragen nur vereinzelt und in verkürzter Form antworten. Ich bitte hierfür um Verständnis)
Die von mir gemachten Äußerungen, Kommentare sowie eigene Beiträge spiegeln nur meine pers. Meinung wieder und stellen keine Rechtsberatung dar oder ersetzen eine solche. Ich beantworte Fragen nur auf Grundlage der gemachten Angaben. Das hinzufügen oder weglassen von Angaben können zu einer völlig anderen rechtlichen Einschätzung und Bewertung führen.


Zurück zu „Archivierte Fragen und Antworten zur Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsunfähigkeit (4. Kapitel SGB XII)“