Erwerbsunfähigkeit 100% auf Dauer. Minijob nicht mehr möglich, wie beantrage ich usw?

Notwendiger Lebensunterhalt, Regelbedarf, Inhalt der Regelsätze (§§ 27, 28 SGB XII)

Moderator: Regelteam

Michi2605
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Erwerbsunfähigkeit 100% auf Dauer. Minijob nicht mehr möglich, wie beantrage ich usw?

Ungelesener Beitragvon Michi2605 » 15.10.2018, 19:41

Hallo, bin seit ein paar Jahren zu 100%ErwerbsUnfähig verrentet. bislang übe ich einen Minijob aus, um nicht auf Sozialhilfe zurück greifen zu müssen. den Job konnte ich allerdings nur mit einer großen Menge Schmerzmittel überhaupt ausüben. Möchte ihn jetzt kündigen weil unter anderem meine Blutwerte (Leber und Niere) schlecht geworden sind, und ich körperlich ohne diese Medikamente nichteinmal meine Socken oder Schuhe anziehen kann, und psychisch wegen Depressionen nun auch nicht mehr in der Lage bin 1.5 Std täglich. zu arbeiten. Anfang des Jahres steht eine große OP an, daraufhin wäre ich selbst Ungerer Termin für mindestens sechs Wochen arbeitsunfähig.
Leider war ich sehr dumm, und habe mich mit Schulden machen die letzten beiden Jahre ohne Sozialhilfe über Wasser gehalten. Meine Rente beträgt soviel, dass ich nach Abzug von Miete, Gas (für Heizung und Warmwasser), Strom und Telefon noch 100€ zum abdecken der anderen Kosten wie Haftpflicht, Hausratversicherung, KFZ ( BJ 2002, benötige ich um meine Ärzte wie Schmerztherapeuth, Orthopäden Internisten, Klinik zu erreichen, und einkaufen zu können, da ich weder etwas über 1 kg tragen, noch mehr als 200meter am Stück laufen kann) übrig habe. Das reicht natürlich nicht.
Die Wohnung bewohne ich seit ca 4 Jahren, weil sie in unmittelbarer Nähe meiner damaligen Familie und meines Sohnes ist. Sie ist mir 72qm auf zwei Zimmer sicher zu groß, aber ich habe so stark niemand der an meinen schlechten Tagen helfen könnte mir in die Unterwäsche oder Schuhe zu helfen. Soziale Kontakte habe ich aufgrund meiner Erkrankungen leider ausser der Nachbarn auch nicht mehr.
Um nicht völlig zu Vereinsamen habe ich vor zwei Jahren auf Anraten meines damaligen Psychotherapeuten einen Hund zu mir genommen. Sicher, es war nicht das vernünftigste in meinem Leben, aber ich brauche sie für meine Seele und damit ich überhaupt noch das Bett verlasse.
So, nun seid Ihr hoffentlich nicht gelangweilt, aber informiert.
Mir steht das Wasser fast buchstäblich bis zum Hals, Anfang des Monats kam der erste Mahnbescheid, weil ich meinen Kredit nicht mehr abzahlen kann.

Meine Frage: wann kann ich Antrag auf Sozialhilfe stellen? Ab wann muss bezahlt werden? Bzw gibt es eine Bearbeitungsfrist die eingehalten werden muss? Muss bereits vor ergehen eines Bescheid vorläufig geleistet werden? Habe wahnsinnig Existenzängste und Angst vor Wohnungsverlust. 2011 musste ich bereits einmal Sozialhilfe beantragen und es dauerte fast 4 Monate bis dann überhaupt etwas bewilligt wurde. Dafür hat mich das Sozialamt beschattet und morgens um halb acht meine Wohnung quasi gestürmt. Heute weiss ich, dass sie das nicht gesurft hätten, aber ich hatte ja nichts zu verbergen und war schrecklich eingeschüchtert...eigentlich bin ich das bis heute. Ich bekam damals 120€ monatlich zur Rente dazu gezahlt ( gesamtdauer fünf Monate) Das war damals so schlimm, dass ich lieber den Raubbau an meiner Gesundheit durch Medikamente in Kauf nahm, als Sozialleistungen zu beantragen, zumal ich die kompletten 480€ noch zurück zahlen musste, da sich mein EXMann damals nicht beim Einwohnermeldeamt umgemeldet hat, und ich nicht beweisen konnte, wann er die eheliche Wohnung verlassen hat. Allerdings hatte ich damals noch Familie die überbrückungsweise unterstützt hat. diese ist jedoch mittlerweile verstorben. bin gerade echt Rat- und Hilflos. würde mich über fundierte Informationen freuen.

Heinrich
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Re: Erwerbsunfähigkeit 100% auf Dauer. Minijob nicht mehr möglich, wie beantrage ich usw?

Ungelesener Beitragvon Heinrich » 16.10.2018, 05:36

Hallo,

wende Dich am besten an eine Sozialberatung vor Ort, z.B. von Caritas und/oder Diakonie!

Alternativ selbst zum Sozialamt gehen und sofort Antrag stellen! Ob's einen Vorschuß gibt, weiß ich nicht. Glaube ich eher nicht. Bearbeitungszeit vermutlich ein paar bzw. einige Wochen. Deshalb nun nicht länger zögern!

H.
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Ghostwriter
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Re: Erwerbsunfähigkeit 100% auf Dauer. Minijob nicht mehr möglich, wie beantrage ich usw?

Ungelesener Beitragvon Ghostwriter » 16.10.2018, 07:30

Morgen Michi 2605,

wenn du so krank bist, laß´ dich erst krankschreiben, dann kündigen! Sprech´ mit deinem AG, der dir besser kündigt!

Hund ...gute Idee, aber ????? wer geht mit dem Hund Gassi, wenn du nur max. 200 m am Stück laufen kannst? So ein tier kann einem zwa gut über das Alleinsein hinweg helfen, aber auch Tiere - gerade Hunde - brauchen Auslauf, Zuwendung, Spiele, Bescäftigung. Kannst du das wirklich noch leisten?

Gruß GW

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Re: Erwerbsunfähigkeit 100% auf Dauer. Minijob nicht mehr möglich, wie beantrage ich usw?

Ungelesener Beitragvon CuttySark » 17.10.2018, 06:25

Morgen Michi2605,

dumm gelaufen. Jetzt heißt es zu retten, was zu retten ist. Ab zum Arzt und eine Bescheinigung zu Vorlage beim Arzt ausstellen lassen, dass ärztlich angezeigt ist, ab sofort nicht mehr zu arbeiten. Dies dem Arbeitgeber vorlegen, der kündigt oder einvernehmlich den Arbeitsvertrag aufhebt, was sicherlich eher zu erreichen ist als eine Kündigung.

Damit zum Sozialamt und einen Antrag auf Leistung stellen.

Ob Du die Wohnung wechseln musst, sei dahin gestellt. Sie ist zu groß, liegt aber eventuell im Mietbereich. Selbst bei Wohnungswechsel passiert Dir nichts, da alle Kosten einschließlich vom Amt übernommen werden müssen. Umzug-, Renovierung, Möbelaufbau und Anschluss.

Hast Du einen Antrag auf Pflegegrad gestellt? Das wäre der nächste Schritt, wenn er nicht schon erfolgt ist.

LG Rolf
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Michi2605
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Re: Erwerbsunfähigkeit 100% auf Dauer. Minijob nicht mehr möglich, wie beantrage ich usw?

Ungelesener Beitragvon Michi2605 » 17.10.2018, 09:07

Also, der Hund ist versorgt. Wird von meinem Sohn oft mitgenommen. Außerdem kann ich ja noch laufen, nur eben nicht weit am Stück. Muss immer wieder Pause machen. Das klappt dann mit schnüffeln ganz gut.
Zu Hause lasse ich sie sehr viel Kopfarbeit leisten. Sie bringt mir Dinge usw. Daran hat sie schrecklich viel Spaß.

Pflegestufe beantragen? Okay, wie funktioniert das? Meine Ärzte wissen ja, wie schlecht es mir geht. Da kam noch nie ein Vorschlag in diese Richtung. Und ich habe mehr als einmal erwähnt, dass ich mich teilweise nicht richtig anziehen kann.

Aufhebungsvertrag? Sperren die mich dann beim Sozialamt nicht schon sofort für einen Antrag?

Heinrich
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Re: Erwerbsunfähigkeit 100% auf Dauer. Minijob nicht mehr möglich, wie beantrage ich usw?

Ungelesener Beitragvon Heinrich » 17.10.2018, 09:38

Hallo Michi2605,

warum sollte Dich das Sozialamt sperren, wenn Du einen Job nicht mehr ausübst, weil Du ihn nicht mehr ausüben kannst ... ?

"Kunden" des Sozialamts sind nur Altersrentner und mittelfristig oder dauerhaft nicht Erwerbsfähige ...


Michi2605 hat geschrieben:Meine Ärzte wissen ja, wie schlecht es mir geht. Da kam noch nie ein Vorschlag in diese Richtung. Und ich habe mehr als einmal erwähnt, dass ich mich teilweise nicht richtig anziehen kann.

Da Ärzte heutzutage auch nicht mehr unbedingt das sind, was sie mal waren, hat es sie entweder nicht interessiert oder Du bist gesundheitlich noch zu "gut drauf" für eine Pflegestufe. Meines Wissens nach kannst Du Dich deswegen an Deine Krankenkasse wenden. Wenn Du eine Pflegestufe beantragst, schicken die Dir - auch meines Wissens nach - dann den Medizinischen Dienst nach Hause, der Dich quasi dann daraufhin untersucht.

Ansonsten wiederhole ich noch mal meine Empfehlung, daß Du Dir eine umfassende Sozialberatung vor Ort einholen solltest. Da geht man auf Deine Situation individuell ein, und Du bekommst vermutlich auch Unterstützung beim Beantragen von Sozialhife, Pflegestufe, etc..

H.
Zuletzt geändert von Heinrich am 17.10.2018, 09:59, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Erwerbsunfähigkeit 100% auf Dauer. Minijob nicht mehr möglich, wie beantrage ich usw?

Ungelesener Beitragvon Michi2605 » 17.10.2018, 21:31

Danke Euch allen sehr für die informativen Antworten und die Vorschläge. :clap1:

Habe heute einen Termin bei der Diakonie für den 7.11. machen können.

Vorsorglich hole ich mir morgen die Anträge beim Sozialamt ab, bzw Versuche diese zu bekommen.

Bin erstmal weiter Arbeitsunfähig für den Minijob bis Ende des Monats und kann dann Verlängerung abholen falls es nicht besser wird. Denke danach ist mein Chef eh alles andere als begeistert und froh wenn er mich entlassen kann.

Ab dem 1.12. bin ich in einer anderen Krankenkasse. Vermutlich werde ich mit der Pflegestufe dann warten bis die Diakonie was dazu sagt, und dann ggf bei der neuen Krankenkasse beantragen. Fühle mich jetzt wenigstens schon nicht mehr so ausgeliefert.

Vielen Dank nochmal, werde dann berichten... vielleicht hat ja noch jemand hiervon einen Nutzen
Zuletzt geändert von Michi2605 am 17.10.2018, 21:39, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Erwerbsunfähigkeit 100% auf Dauer. Minijob nicht mehr möglich, wie beantrage ich usw?

Ungelesener Beitragvon CuttySark » 18.10.2018, 05:13

Moin Michi2605,

wir reden hier nicht von Nutzen. Uns allen ist wichtig, dass Bedürftigen" geholfen wird und sind natürlich sehr daran interessieren, zu wissen, wie es ausgegangen ist.

LG Rolf
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Re: Erwerbsunfähigkeit 100% auf Dauer. Minijob nicht mehr möglich, wie beantrage ich usw?

Ungelesener Beitragvon Michi2605 » 18.10.2018, 07:15

Ich habe es auch gar nicht negativ gemeint! Dachte lediglich, dass jemand in ähnlicher Situation, vielleicht für sich schon Information herausziehen kann, die er so dringend benötigt wie ich, ohne erst etwas schreiben zu müssen. Ich werde den Satz sofern es möglich ist löschen. Wollte niemandem damit zu nahe treten. Sorry

Michi2605
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Re: Erwerbsunfähigkeit 100% auf Dauer. Minijob nicht mehr möglich, wie beantrage ich usw?

Ungelesener Beitragvon Michi2605 » 18.10.2018, 07:17

[quote="Michi2605"]Danke Euch allen sehr für die informativen Antworten und die Vorschläge. :clap1:

Habe heute einen Termin bei der Diakonie für den 7.11. machen können.

Vorsorglich hole ich mir morgen die Anträge beim Sozialamt ab, bzw Versuche diese zu bekommen.

Bin erstmal weiter Arbeitsunfähig für den Minijob bis Ende des Monats und kann dann Verlängerung abholen falls es nicht besser wird. Denke danach ist mein Chef eh alles andere als begeistert und froh wenn er mich entlassen kann.

Ab dem 1.12. bin ich in einer anderen Krankenkasse. Vermutlich werde ich mit der Pflegestufe dann warten bis die Diakonie was dazu sagt, und dann ggf bei der neuen Krankenkasse beantragen. Fühle mich jetzt wenigstens schon nicht mehr so ausgeliefert.

Vielen Dank nochmal, werde dann berichten...


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