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Auf Gerichtsurteil berufen wegen Grabsteinkosten?

Verfasst: 13.09.2018, 17:42
von Loewe6868
Hi Leute,

wir wollen als Eltern unserem Sohn einen Grabstein machen lassen. Das ist das Letzte, was wir für unseren Schatz tun können. Ich will daher einen Antrag auf Kostenübernahme eines Grabsteins stellen. Ich habe zufällig ein Gerichtsurteil vom 19.06.2018 bezüglich Grabsteinkosten gelesen, wonach das SG Mainz der Klage teilweise stattgegeben hat. Kurze Zusammenfassung:
2010 beantragte die Klägerin Beerdigungskosten beim Sozialamt. Diese wurden bewilligt. 2014 beantragte die Klägerin die Kostenübernahme des Grabsteins in Höhe von 3.100€ (mit Rechnung) beim Sozialamt. Das Sozialamt lehnte ab. Die Kosten seien unverhältnismäßig. Ein Holzkreuz sei ausreichend. Das Sozialgericht Mainz sah das etwas anders und hat der Klägerin 1.850€ (etwa) zugesprochen. Dieser Betrag entspricht die Höhe des günstigten mehrerer Angebote, die seitens des Gerichts angefordert wurden. Zur Begründung führte das Gericht u.a. aus, dass zu den Bestattungskosten auch die Kosten eines einfachen Grabsteins gehörten.

Soll ich mich in meinen Antrag auf das Gerichtsurteil berufen, oder erst dann, wenn mein Antrag abgelehnt wird?
Falls das Urteil jemand nachlesen will:
Sozialgericht Mainz
(Az. S 11 SO 33/15)

Liebe Grüße

Re: Auf Gerichtsurteil berufen wegen Grabsteinkosten?

Verfasst: 14.09.2018, 07:38
von Heinrich
Hallo Loewe6868,

ich selbst würde erst im Falle eines Widerspruchs auf das Urteils verweisen. Aber vielleicht schadet es auch nicht, wenn Du bereits im Antrag darauf hinweist.

Das hat aber m.M.n. nur dann Erfolgsaussichten, wenn Du im Zuständigkeitsbereich des SG Mainz wohnst. Wenn nicht, dann leider eher nicht, da andere Sozialgerichte in anderen Bundesländern - oder auch das Landessozialgericht Rheinland-Pfalz - durchaus anders entscheiden können.

Viel Erfolg

H.

Re: Auf Gerichtsurteil berufen wegen Grabsteinkosten?

Verfasst: 14.09.2018, 14:13
von Loewe6868
Hi Heinrich,
Ich bin nicht aus Rheinland-Pfalz. Kennt jemand andere Gerichtsurteile (außer das vom SG Mainz) bezüglich der Übernahme bzw. Zuschuss für die Grabsteinkosten?
Liebe Grüße

Re: Auf Gerichtsurteil berufen wegen Grabsteinkosten?

Verfasst: 15.09.2018, 05:43
von Heinrich
Hallo Loewe6868,

Alternativvorschlag: Du beantragst die Übernahme der Kosten für einen Grabstein. Wenn dieser Antrag abgelehnt wird, legst Du Widerspruch dagegen ein. Wenn dieser abgewiesen wird, klagst Du vor dem für Deinen Wohnsitz zuständigen Sozialgericht. Falls Du auch dort scheiterst, klagst Du Dich alle Instanzen rauf.

Ich wünsche Dir natürlich, daß Du sofort bzw. zeitnah Erfolg hast.

H.

Re: Auf Gerichtsurteil berufen wegen Grabsteinkosten?

Verfasst: 15.09.2018, 17:11
von Loewe6868
Hi
Ich will die Gerichte nicht mit dem Grabstein meines Sohnes beschäftigen.. es tut schon weh, daß man wegen so etwas einen Antrag stellen muss. Es wäre schön, wenn die Kosten bezuschusst werden. Wenn nicht, dann ist das so..

Re: Auf Gerichtsurteil berufen wegen Grabsteinkosten?

Verfasst: 15.09.2018, 17:30
von CuttySark
Moin, Moin,

ehrlich gesagt kann ich nicht nachvollziehen, wie man für einen Grabstein 1800 € geschweige denn über 3.000 € ausgeben kann. Ich habe einen Paderborner Steinbildhauer beauftragt, einen Stein zu schaffen, der die Verbundenheit meiner Eltern stilisieren sollte. Der Stein wurde 2004 als bester Stein des Jahres von der Innung Münster/Westfalen ausgezeichnet. Preis 1.100 €. Das würde ich heute nicht wieder machen, weil ich den Stein 5 Jahre später habe abräumen und das Grab planieren lassen.

Nimm einen Findling und lass die Daten Deines/Eures Kindes aus Edelstahl machen. Individuell und spottbillig.

LG Rolf

Der Stein hat nichts mit der Verbundenheit mit Eurem Kind zu tun.

Re: Auf Gerichtsurteil berufen wegen Grabsteinkosten?

Verfasst: 15.09.2018, 17:55
von Loewe6868
Hi Rolf,

das Grab unseres Sohnes wird mindestens solange wir leben auch bestehen bleiben. Ein Grabstein wird unser Sohn kriegen. Grabsteine sind nicht günstig, vor allem dann, wenn sie einige Jahre was aushalten (Wind und Wetter) sollen. Mal sehen wie das Amt auf das Gerichtsurteil reagiert..

Liebe Grüße

Re: Auf Gerichtsurteil berufen wegen Grabsteinkosten?

Verfasst: 16.09.2018, 02:26
von CuttySark
Moin Loewe6868,

ein Stein hält hunderte von Jahren, egal welcher es ist. Steine sind offenporiger und weicher beispielsweise der Sandstein oder von der Oberfläche her geschlossen, wie beispielsweise der Granit. Der Stein steht an der Stelle für maximal 30 Jahre, da dann das Grab planiert wird.

In meinen Augen reicht ein Holzkreuz oder auch eine Platte, weil weder Holzkreuz noch Stein etwas mit der Trauer zu tun haben.

LG Rolf

Re: Auf Gerichtsurteil berufen wegen Grabsteinkosten?

Verfasst: 16.09.2018, 09:56
von Pete123
Hallo Löwe6868,

ich würde an deiner Stelle die aktuelle Gerichtsentscheidung bei deinem Antrag angeben.Sollte das Amt trotzdem ablehnen,dann den Widerspruch wenn möglich durch Mithilfe von VDK oder Sozialverband formulieren lassen.

Ich finde es völlig normal das man eine würdige Grabstelle für sein Kind möchte wo man seiner gedenken kann,ein Holzkreuz ist nicht das was ich mir unter würdevoll vorstelle.

Re: Auf Gerichtsurteil berufen wegen Grabsteinkosten?

Verfasst: 16.09.2018, 12:36
von Loewe6868
Hi Pete,
Ob der Stein bezuschusst wird oder nicht. Wir werden einen vernünftigen Grabstein fertigen lassen, wenn wir diesen in Raten zürückzahlen können. Das ist das Letzte, was wir als Eltern für unser Kind tun können. Dieses Gefühl, dieses Handeln von uns unbedingt einen Grabstein fertigen zu lassen können nur Eltern verstehen, deren Kinder gestorben sind. Wünsche es niemanden. Ich bin bei keinem Sozialverband Mitglied. Was kostet die Mitgliedschaft ca. für Hilfeempfänger?
Liebe Grüße