Keine Krankenversicherung und keine Grundsicherung trotz Antrag

Fragen und Antworten zu Hilfen zum Lebensunterhalt in Sonderfällen nach § 34 SGB XII

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jamijo
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Keine Krankenversicherung und keine Grundsicherung trotz Antrag

Ungelesener Beitragvon jamijo » 06.07.2016, 13:52

Hallo,
ich habe folgende Problematik, bei der ich Euch für Ratschläge sehr dankbar wäre.
Mein Onkel ist 73, war bis vor Kurzem selbststaendig und ist seit 8 Jahren nicht mehr krankenversichert.
Vorher war er in der DKV privat versichert.

Jetzt ist er schwer an Krebs erkrankt, hat weder Einkünfte noch eine Krankenversicherung und die Ärzte geben ihm noch wenige Wochen/Monate zu leben.

Er hat versucht beim Sozialamt Grundsicherung zu beantragen, die wurde aber mit der Begründung abgelehnt, dass er ein Schreiben seiner letzten Krankenversicherung vorlegen müsste, in dem diese seinen Antrag auf (Wieder)-Aufnahme ablehnt.
Die DKV weigert sich dieses Schreiben zu erstellen und die Frau vom Sozialamt sagte, dass dies ein normales Prozedere wäre und man das dann halt einklagen müsste.
Was natürlich monatelang dauern würde. Vorher könnte sie den Antrag nicht entgegennehmen.

Meine Fragen:

-Kann der Antrag auf Grundsicherung abgelehnt werden, nur weil ein Schreiben der Krankenkasse fehlt. Besteht keine Pflicht zur Antragsentgegennahme seitens des Sozialamtes?
-Ist es eine gängige Praxis, dass die letzte, in diesem Fall private, Krankenkasse involviert wird?

Noch ist mein Onkel mobil, aber was ist wenn er bettlägerig wird?
Er hat keine Kinder und keine weiteren Angehörigen, außer seiner 80-Jährigen Schwester und seinen Neffen und Nichten, die aber weit weg wohnen.
Er benötigt Morphinpflaster und starke Schmerzmittel und seine letzten Geldreserven sind nun fast aufgebraucht.

Ich weiß, dass dieses Leben ohne Krankenversicherung ein unfassbares Risiko war, aber bei Ihm war das Geld immer knapp.
Er hat in den letzten Wochen natürlich immer wieder die "selbst Schuld" Kommentare gehört, die ja auch berechtigt sind, aber trotzdem wollen wir ihm ein würdiges Sterben ermöglichen.

Danke im Voraus für Eure Hilfe

Viele Grüße

Jamijo
Zuletzt geändert von jamijo am 06.07.2016, 13:55, insgesamt 1-mal geändert.

Heinrich
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Re: Keine Krankenversicherung und keine Grundsicherung trotz Antrag

Ungelesener Beitragvon Heinrich » 06.07.2016, 14:28

Hallo jamijo,

jamijo hat geschrieben:Er hat in den letzten Wochen natürlich immer wieder die "selbst Schuld" Kommentare gehört, die ja auch berechtigt sind

diese Kommentare sind m.M.n. grottendumm und kommen von Leuten, die ihre Birne vor Inbetriebnahme des Mundwerks nicht einschalten :wut:

Viel helfen kann ich leider nicht. Das Grundsicherungsamt ist sicherlich verpflichtet, den Antrag entgegenzunehmen. Wenn es sich weigert, würde ich den Antrag schriftich einreichen. Also nicht persönlich abgeben.

Ob das Amt das genannte Dokument einfordern kann, weiß ich nicht. Möglicherweise darf es das, und dann hättet Ihr in puncto Antragsbearbeitung angesichts des Geschilderten schlechte Karten. Milde ausgedrückt.

Möglicherweise gibt es angesichts der vergleichsweise akuten Krankheitssituation Deines Onkels eine Möglichkeit, das Amt via Gericht zu zwingen, vorläufig zu leisten. Mehr dazu ggf. von anderen hier.

Ich persönlich würde in der Situation flugs einen Anwalt aufsuchen. Bei Gericht Antrag auf "Beratungsschein" stellen.

Alles Gute und viel Erfolg

H.
Ich bin La-la-laie, und meine Beiträge stellen ausschließlich meine persönliche Meinung und/oder Einschätzung zur jeweiligen Situation dar, bzw. schildere ich, was ich selbst in der jeweiligen Situation tun würde.

CuttySark
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Re: Keine Krankenversicherung und keine Grundsicherung trotz Antrag

Ungelesener Beitragvon CuttySark » 06.07.2016, 15:06

Moin, Moin jamijo,

Dein Onkel muss den Antrag auf Grundsicherung bestellen und als Krankenversicherer die DKV angeben, die ihn auch aufnehmen muss.
Daran geht kein Weg vorbei.
Übrigens sind die Krankenhäuser, Ärzte ect verpflichtet Notfallmedizin zu leisten.
Dein Onkel wird aber Rentenansprüche habe, wo und in welcher Höhe steht auf einem anderen Blatt.
Mir stellt sich die Frage, ob Dein Onkel nicht sinnvoller in eine Pflegeeinrichtung oder betreutes Wohnen geht.
Durchsprechen könntest du diese Fragen mit dem VDK oder SoVD. Die Mitgliedschaft ist spottbillig.
Es sind nur rund 6 € im Monat.

LG Rolf
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Die von mir gemachten Äußerungen und Kommentare sowie eigene Beiträge spiegeln nur meine persönliche Meinung wider und stellen auch keine Rechtsberatung dar oder ersetzen eine solche.


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